Brandenburgs Sonne als bundesweite Siegerin hat den Winzern zwischen Havelland und Lausitz zu einem Jahrgang verholfen, der auch in traditionellen Weinanbaugebieten aufhorchen lässt.

Zum Test standen 31 Weißweine, fünf Roséweine, 13 Rotweine sowie ein Secco Rosé und der erste Sekt vom Sonnenhügel Klein-Oßnig bei Cottbus. Allein die Vielfalt zeugt von der gewachsenen Leistungsfähigkeit von Brandenburgs Winzern. Im Jahr 2010 wurden insgesamt 13 Weine präsentiert, am Freitag in Cottbus waren es bereits 51. Winzer, Kellermeister, Sommeliers und Weinkenner sind sich schon nach den ersten Testgläsern einig: Die Jungweine 2016 haben vor allem aufgrund der Septemberwärme eine gute bis sehr gute Qualität. Einige sind sogar auf dem Sprung zur Spitzenklasse. Insgesamt ein erstaunlich guter Jahrgang, darunter Spät- und Auslesequalitäten.

Das bestätigt neben Brandenburgs Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) auch Maeriaen Neuenfeldt, die als Chef-Sommelier schon im Wiener Hotel Sacher gearbeitet hat. Zurückgekehrt nach Cottbus, will sie jetzt ein regionales Weinfest organisieren, damit sich die Qualität Brandenburger Weine weiter herumspricht. Erste Kontakte dafür hat sie bei der Jungweinprobe geknüpft.

Von der Idee begeistert sind Martin und Karola Krause vom Klein Oßniger Sonnenhügel. Das Ehepaar hat den Weinberg südlich von Cottbus 2011 wiederbelebt. Zu ihren rund 2000 Reben gehört auch der Johanniter. Aus seinen Trauben stammt der erste Sekt aus Cottbus, handgerüttelt und in Flaschengärung. Mit dem guten Tropfen wurde am Freitagabend angestoßen. Feinprickelnd mit dezenter Restsüße schmeckt er auch dem Minister vorzüglich.

Einen guten Jahrgang eingefahren hat auch Rico Gärtner aus Ortrand. Die Leidenschaft für Wein hat er vom Vater geerbt, mit dem er Hand in Hand die komplette Kelterei auf dem Familiengrundstück betreibt. Seine 800 Rebstöcke stehen in Burkersdorf gleich neben dem Elternhaus. Bei der Jungweinprobe präsentiert Rico Gärtner mit dem Goldriesling eine echte Rarität des deutschen Weinbaus. Das feinwürzige Bukett des Weißweins mit leichter Muskatnote kommt bei den 200 Weinkennern im Fürst-Pückler-Saal sehr gut an. Seinen Goldriesling hat er im vergangenen Herbst mit 92 Grad Oechsle gelesen.

Die Spezialität von Heike und Gunter Schurig aus dem Bad Liebenwerdaer Ortsteil Lausitz indes sind Cuvees aus dem Holzfass. "Da trauen sich wenige ran", erklärt der Winzer. In seinem Weingarten stehen 1000 Rebstöcke. Bei ihm ist alles Handarbeit und Bio. Vom Pflanzen bis zum Etikett macht der singende Winzer alles selbst. Ins Zittern gekommen ist Gunter Schurig in den Frostnächten Ende April. Bei minus vier Grad blieb ihm nichts anderes übrig, als des Nachts Dutzende kleine Reisighaufen zwischen den Rebreihen zu entzünden. "Für meinen Wein mache ich alles. Hoffentlich hat es geholfen", sagt er. Ob Frostschäden eingetreten sind, wird sich aber erst in den nächsten Wochen zeigen.

Die Freunde des Weinbaus in Schlieben haben dem Sonnenstundenrekord des Vorjahres zu verdanken, dass sie erstmals seit vielen Jahren ihren Müller-Thurgau halbtrocken ausbauen konnten. Die Vereinsmitglieder bewirtschaften auf einer alten Rebfläche am "Langen Berg" 2400 Rebstöcke. Dass die Schliebener diesmal zur Jungweinprobe ohne ihren viel gelobten Schieler, einem Rotling aus Müller-Thurgau und Regent, anreisen mussten, ist für die Vereinsvorsitzende Anette Engel ein Wermutstropfen. Der herrlich spritzige Sommerwein liegt noch im Fass und wird erst Mitte Mai abgefüllt.

Zu den Neulingen unter Brandenburgs Winzern gehören Matthias Juhnke und Holger Lehmann vom Weingut Pauke. Ihre Familien haben seit 2015 in Pillgram am Jacobsweg einen Weinberg aufgerebt. Seit Januar 2017 führen sie zudem den Gubener Weinbau in Grano weiter. Die Newcomer mit 5700 Rebstöcken auf zwei Weinbergen wollen weiter wachsen. Im Mai sollen die nächsten 1000 Quadratmeter aufgerebt werden. Ziel ist es, die Anbaufläche zu verdoppeln. Vom Start an ist das junge Weingut Mitglied der Fachgruppe Weinbau. "Die Fachkompetenz und der Kontakt zu anderen Winzern hat uns nicht lange zögern lassen", erklärt Matthias Jahnke, der vor ein paar Jahren noch bekennender Biertrinker war. Von ihrer Jungfernlese 2016 haben die Jungwinzer gleich sechs verschiedene Weine mit nach Cottbus zur Jungweinprobe gebracht und dafür viel Lob erhalten.

Dass Brandenburgs Weine sich nicht verstecken müssen und bundesweit auf dem Vormarsch sind, davon zeigt sich am Freitagabend auch die Geschäftsführerin des Weinbergs auf dem Wolkenberg bei Welzow, Bettina Muthmann, überzeugt. Zum Geschmackstest mitgebracht hat sie den Roten Riesling. Die alte und seltene Weißweinsorte ist eine Rarität.

Verkostet werden können alle vorgestellten Weine entlang der Route Brandenburger Weinkultur direkt beim Winzer. "Am Tag des offenen Weinbergs am 10. und 11. Juni schenken die Winzer wieder reinen Wein ein", lädt der Vorsitzende der Fachgruppe, Andreas Wobar, zum nächsten öffentlichen Geschmackstest ein. Sein Wein gedeiht am steilsten Weinberg Brandenburgs, direkt unterhalb der Iba-Terrassen am Großräschener See. Den Solaris des Jahrganges 2016 hat er mit unglaublichen 106 Grad Oechsle in die Flaschen gebracht. Der trotzdem trocken ausgebaute Weißwein hat bei der Jungweinprobe für Aufsehen gesorgt.


Weinland Brandenburg

Brandenburg ist ein junges Weinanbaugebiet mit historischen Wurzeln. Die seit Mitte der 1990er-Jahre aufgerebten Weinbauflächen erbringen zunehmend gute Tropfen. Gesamtrebfläche des Landes Brandenburg: 32 Hektar (2010: 20 Hektar). Produziert werden darauf rund 1500 Hektoliter Wein. Jährlich bekommt das Bundesland mindestens fünf Hektar Rebfläche aus dem neuen Pflanzrechtesystem der EU.

Ein Überblick über Winzerfeste und Weinbergführungen ist zu finden unter www.route-brandenburger-weinkultur.de