Die Ausmaße des Problems bestreitet niemand: Nach einem am Donnerstag veröffentlichten UN-Bericht sind die Trinkwasservorräte der Erde durch das Bevölkerungswachstum, den Klimawandel, unverantwortliche Bewässerungstechniken und Verschwendung gefährdet. Wenn nichts getan werde, könnten eine "globale Wasserkrise" sowie politische Instabilitäten die Folgen sein. Das Weltwasserforum vom 16. bis zum 22. März soll helfen, dies zu verhindern. Kritik am GastgeberlandAusgerichtet wird das Treffen vom Weltwasserrat, einer überregionalen Organisation, der zahlreiche Ministerien und Institutionen aus aller Welt angehören. Seit dem ersten Forum, das 1997 in Marrakesch stattfand, folgten alle drei Jahre Treffen. In Anspielung auf die Lage des diesjährigen Konferenzortes Istanbul, der Stadt zwischen Europa und Asien, findet das fünfte Treffen unter dem Motto "Gräben überbrücken" statt. Fachleute und Regierungsvertreter aus etwa 180 Ländern sollen ihre verschiedenen Standpunkte austauschen, um zu gemeinsamen Lösungen zu kommen. Am Rande des Treffens wird auch auf anderen Feldern Politik gemacht: Die türkische Führung plant Gespräche mit dem irakischen Präsidenten Dschalal Talabani, der unter den Gästen in Istanbul sein wird. Während die Organisatoren des Weltwasserforums letzte Hand an die Vorbereitung der 17,5 Millionen Euro teuren Konferenz am Goldenen Horn in der Istanbuler Innenstadt legten, wiesen Kritiker auf nach ihrer Meinung offensichtliche Widersprüche und Fehler hin. Eine Privatisierung von Wasserressourcen etwa, wie sie mitunter diskutiert wird, halten sie für eine Menschenrechtsverletzung. Umweltschützer bezweifeln auch, dass das Wasserforum die richtige Bühne sein kann, um über einen neuen Umgang mit der Ressource Wasser zu sprechen. Uygar Özesmi, Generaldirektor von Greenpeace in der Türkei, verweist darauf, dass die staatliche türkische Wasserbehörde DSI zu den Mitorganisatoren des Forums gehört. Die Institution ist für viele nach Ansicht von Kritikern umweltschädliche Staudammprojekte verantwortlich. Außerdem gehören die türkischen Baufirmen Nurol und Cengiz zu den Sponsoren des Treffens - beide Unternehmen stehen wegen des umstrittenen Ilisu-Staudammprojekts im Südosten der Türkei in der Kritik. Deutschland am PrangerWissenschaftler und Umweltschützer kamen bereits am Samstag zu einem "Wasser-Tribunal" zusammen, das unter anderem den türkischen Premier Erdogan wegen eines Staudammprojektes im Nordosten der Türkei symbolisch anklagte. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gehört wegen der geplanten - wenn auch derzeit ausgesetzten - Beteiligung der Bundesrepublik am Bau des Ilisu-Staudamms zu den "Beschuldigten". Das Tribunal wurde von der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung unterstützt.