Es sind die Fotos, die die Ausstellung "Eine kurze Geschichte der geteilten Welt" sehenswert machen. Neben Aufnahmen, die immer wieder veröffentlicht wurden und deshalb im öffentlichen Gedächtnis präsent sind, gibt es beeindruckende und bisher weitgehend unbekannte Bilder. Zum Beispiel ein Foto von Ryszard Siwiec, einem Polen, der sich Anfang September 1968 in einem Warschauer Stadion selbst verbrannte, um gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in Prag zu protestieren. Als brennende Fackel steht er in einem Kreis von zurückweichenden Menschen.

Dem polnischen Geheimdienst war es gelungen, diesen Protest bis zum Untergang der kommunistischen Herrschaft geheim zu halten. Pawel Sasanka und Slawomir Stepien nahmen das Bild in ihre Ausstellung über den Kalten Krieg auf. Die beiden Historiker gehören zum polnischen Institut für Nationales Gedenken (IPN), Außenstelle Warschau.

Dass die Ausstellung nach Rostock, Haldensleben und Dresden nun bis Ende November in der deutschsprachigen Version in der Cottbuser Oberkirche zu sehen ist, hat die Stasiunterlagenbehörde in Frankfurt (Oder) vermittelt. Eine englischsprachige Version wurde gerade dem Stützpunkt der 6. US-Flotte in Italien angeboten. "Wir warten noch auf Antwort", sagt Professor Jerzy Eisler, Chef der Warschauer Zweigstelle des IPN.

Eisler war zusammen mit den beiden Autoren der Exposition am Samstagabend zur Ausstellungseröffnung in Cottbus. Das Auseinanderdriften in Ost- und Westblock habe schon in den Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozessen spürbar begonnen, erinnerte er.

Und dass im Schatten des Kalten Krieges in Europa in dieser Zeit auch blutige Kriege stattfanden, in Korea, Vietnam, im Nahen Osten, in Afghanistan. Auch das habe seinen Platz in dieser Ausstellung, die durch die vielen Bildrechte die bisher organisatorisch aufwendigste und teuerste des IPN sei.

Gezeigt wird auch das Foto eines für Polen besonders schmerzhaften Dokumentes: den Entwurf einer polnischen Verfassung in Russisch mit handschriftlichen Anmerkungen Josef Stalins. Für Jerzy Eisler ein exemplarischer Beleg für die systematische Unterwerfung Osteuropas.

Einer der ersten Besucher der Ausstellung ist Lars Eisenhuth. "Das ist sehr durchdacht, die Bilder ziehen mich rein", lobt der 30-jährige Kulturmanager. Für ihn sei es noch immer schwer nachzuvollziehen, wie es damals war, sich anzupassen oder aufzulehnen. Im Geschichtsunterricht bis zum Abitur habe er nur wenig darüber erfahren.

Zum Thema:
Das Institut für nationales Gedenken (IPN) wurde im Januar 1999 gegründet. Es verwaltet die Akten des kommunistischen-polnischen Nachrichtendienstes und wertet diese aus. Darüber hinaus befasst es sich auch mit der politischen Bildung und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zu Verbrechen, die während der deutschen und russischen Besetzung und unter der kommunistischen Herrschaft verübt wurden.