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| 02:52 Uhr

Die Angst des Spreewaldes vor dem Eisenocker aus dem Bergbaurevier

Cottbus. In der Lausitz wird seit Monaten hitzig über die Braunfärbung der Spree durch Eisenhydroxid und die Sulfatbelastung des Flusses diskutiert. Der Eisenschlamm, "Ocker" genannt, ist zwar nicht giftig, kann aber für Kleinstlebewesen im Wasser tödlich sein. sim/ald

Die Bewohner des Spreewaldes befürchten, dass er sich bald auch im Inneren des Biosphärenreservates ausbreiten könnte. Es gibt Versammlungen, Gutachten und den Ruf nach schneller Abhilfe. Auch der Brandenburger Landtag sieht Handlungsbedarf.

Der hohe Eisengehalt der Spree kommt überwiegend aus dem Bereich des Sanierungsbergbaus der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) mbH. Als Quelle für das Eisenhydroxid gelten die alten Bergbaukippen. Während der Kohleförderung war dort das Grundwasser abgesenkt. Dadurch kamen Eisenmineralien mit Sauerstoff in Kontakt und verwandelten sich in Eisenhydroxid und Sulfat. Das nach dem Bergbau aufsteigende Grundwasser und starke Niederschläge waschen das Eisen nun aus dem Boden und tragen es in die Flüsse.

Doch nur ein Teil der Ockerfracht kommt nach Auffassung von Ingolf Arnold, Chefgeologe beim Bergbaubetreiber Vattenfall, aus den Kippen der LMBV. Es gebe auch natürliche Eisenvorkommen im Boden zwischen den Kippenflächen und der Spree.

Durch die Grundwasserabsenkung liefen dort ähnliche Prozesse ab wie in der Kippe. Wenn nach dem Bergbau das Grundwasser großflächig zurückkehre, werde auch dort Eisenhydroxid ausgespült. Das sei gerade im Spreewald zu beobachten.

Die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Cornelia Behm, wirft dem Land Brandenburg und dem Bund in Sachen Verockerung Tatenlosigkeit vor: "Offenbar haben beide viel zu lange die Augen vor dem Problem verschlossen."

Dagegen spricht jedoch ein bereits 2009 von zwei Brandenburger Ministerien, dem Berliner Senat, der LMBV und Vattenfall unterzeichnetes Strategiepapier "zur Beherrschung bergbaubedingter Stoffbelastungen" in Spree, Schwarzer Elster und Neiße. Daraus resultierende Arbeitsprogramme werden regelmäßig aktualisiert.

Die plötzliche hohe Eisenbelastung am Südrand des Spreewaldes sei auch Folge regenreicher Jahre, sagt LMBV-Prokurist Klaus Zschiedrich. Das Grundwasser sei dadurch schneller gestiegen als erwartet: "Das konnte niemand voraussehen."