Gefeiert wird eine Niederlage: Der gescheiterte Sturm auf die Moncada-Kaserne am 26. Juli 1953, rund fünfeinhalb Jahre vor dem eigentlichen Machtwechsel.

Mitten im Prozess der vorsichtigen Wirtschaftsöffnung kehrt die alte Revolutionsgarde um Präsident Raúl Castro symbolträchtig nach Santiago zurück, um das runde Jubiläum zu begehen. Zur Feier werden neun befreundete Staats- und Regierungschefs aus der Region erwartet, darunter Venezuelas Nicolás Maduro.

Nur einer wird aller Voraussicht nach nicht auf der Bühne stehen: Revolutionsführer Fidel Castro. Vor 60 Jahren sah es noch anders aus. Rund 80 Idealisten machten sich damals im Morgengrauen auf, die Moncada-Kaserne in Santiago zu stürmen. Ihr Anführer: Ein 26 Jahre junger Jurist namens Fidel Castro. Ziel war es, 800 Soldaten im Schlaf zu überwältigen und den strategisch wichtigen Militärposten zu erobern. Der Coup sollte den Sturz von Diktator Fulgencio Batista einleiten.

Der Angriff schlug fehl, die meisten Rebellen wurden ermordet, Castro landete im Gefängnis. Er wurde zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, zwei Jahre später jedoch begnadigt. Erst im Januar 1959 gelang es ihm, nach einem zweijährigen Guerillakrieg den Despoten aus dem Land zu jagen. Der 26. Juli wird trotzdem alljährlich als Nationalfeiertag begangen.

Bis zu seiner Erkrankung im Jahr 2006 nutzte der heute 86-jährige Fidel die Feier, um zu seinem Volk zu sprechen - wortgewaltig beschwor der Ex-Präsident Jahr für Jahr die "siegreiche" Revolution und den Kampf gegen den "Feind von Außen". Nun ist der "Máximo Líder" altersschwach.

Sein jüngerer Bruder Raúl gilt eher als öffentlichkeitsscheuer Pragmatiker. In Santiago wird der 82-jährige General wahrscheinlich nicht umhin kommen, das Wort zu ergreifen. Die Botschaft wird dieselbe sein: Kurs halten. "Ich wurde nicht zum Präsidenten gewählt, um den Kapitalismus wieder einzuführen", sagte er im Februar vor dem Volkskongress. Die altbekannte Rhetorik. Dabei hat der Staatschef durchaus für Veränderungen gesorgt. Seit er 2006 die Regierungsgeschäfte übernahm, dürfen die Kubaner Handys und Computer besitzen, in Hotels gehen, zunehmend kleine private Geschäfte eröffnen. Inzwischen gibt es auf der Karibikinsel fast 430 000 "Cuentapropistas" (zu Deutsch etwa: Auf-eigene-Rechnung-Arbeitende).

Der Graben zwischen den Wenigen, die privat Geld verdienen dürfen oder Geldzuwendungen aus dem Ausland erhalten, und der Mehrheit, die von Staatsgehältern von umgerechnet 15 Euro leben muss, wird so zusehends tiefer.

Vorwürfen dieser Art stellt die Regierung die Revolutionserrungenschaften entgegen: Flächendeckendes Bildungssystem und kostenloses Gesundheitswesen. Zuverlässig unverändert bleibt indes der Anspruch der Kommunistischen Partei, einzige politische Kraft im Lande zu sein. Politische Reformen lehnt das Regime weiterhin strikt ab. dpa