Sorbisch beherrscht am Samstagabend die Lausitz-Halle in Hoyerswerda (Kreis Bautzen). Nicht nur die ober- und niedersorbische Sprache sind zum 100. Geburtstag der Domowina allgegenwärtig. Auch Trachten, die auch heute von Bautzen über Schleife bis in den Spreewald getragen werden, und Kultur der slawischen Minderheit in Deutschland bestimmen das Bild zur Jubiläumsfeier. David Statnik, der elfte Vorsitzende der Interessenvertretung des sorbischen Volkes, begrüßt jeden der 800 Gäste am Eingang der Festhalle persönlich. Brot und Salz gelten als Willkommensgruß.

Bevor ein beeindruckendes Kulturprogramm mit 400 Künstlern und Laiendarstellern in gut zwei Stunden über die Bühne der Lausitz-Halle geht, haben die Politiker das Wort. Jeder von ihnen wird von einer Sorbin in Tracht ans Rednerpult geleitet. Auch der Sorbe Stanislaw Tillich, der seiner leicht aufgeregten Partnerin den rechten Arm anbietet, damit sie sich einhaken kann. Dem sächsischen Ministerpräsidenten ist es an diesem Abend vorbehalten, schon einmal an der Schleife jenes Geburtstagsgeschenkes zu zupfen, das sich die Domowina sehnlichst gewünscht hatte. Der CDU-Politiker lässt den Worten der Grußbotschaft der Bundeskanzlerin, "Die Bundesrepublik wird dem sorbischen Volk auch künftig als Partner und Förderer zur Seite stehen", die Tat folgen. Im Bundeshaushalt für 2013 seien 500 000 Euro zusätzlich für die Stiftung für das sorbische Volk eingestellt, verkündet Tillich zuerst auf sorbisch. Den spontan aufbrandenden Beifall wissen auch die Deutschen im Saal zu deuten.

David Statnik hatte zuvor im RUNDSCHAU-Interview an die Politik appelliert, "die Förderung für das sorbische Volk den Gegebenheiten anzupassen". Für 2013 sagte er bei Beibehaltung gegenwärtiger Projekte und Institutionen ein Defizit von einer Million Euro voraus. Wenn nun der Bundestag und die Landesparlamente in Sachsen und Brandenburg - sie teilen sich die Finanzierung der Stiftung mit 50, 33,3 beziehungsweise 16 Prozent - den Vorschlägen ihrer Regierungen folgen, wäre zumindest dieser Fehlbetrag ausgeglichen.

Die Politik sichert der Hundertjährigen an diesem Abend aber nicht nur finanzielle Hilfe zu. Es sind auch die Worte, an denen die Wertschätzung für das sorbische Volk ablesbar wird. Der Sorbe Tillich aus Panschwitz-Kuckau verbindet die wechselvolle Vergangenheit mit der Zukunft und sagt: "Solange wir unsere Identität leben, geben wir selbst die beste Begründung für diese Förderung." Er habe an sich selbst gemerkt, dass Zweisprachigkeit ein Wert an sich sei, "ein Pfund, mit dem Kinder und Jugendliche aus der Lausitz später einmal etwas anfangen können. Etwas, das ihnen weiterhilft". Sorbisch sei für ihn die sprachliche Brücke nach Osteuropa. Und der Lausitzer trifft die Seele der slawischen Minderheit, als er bekennt: "Sachsen tut den Sorben gut, und die Sorben tun Sachsen gut."

Weder Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) noch Christoph Bergner (CDU), der Beauftragte der Bundesregierung für die nationalen Minderheiten, kommen an dieser hoch emotionalen Aussage vorbei. "Die Sorben/Wenden tun auch Brandenburg gut", lobt Platzeck die Domowina "als Symbol für Vielfalt und tolerantes Miteinander". Auf das Sprachprojekt Witaj eingehend hebt er hervor, dass zurzeit 1800 Kinder und Jugendliche die sorbisch/wendische Sprache erlernen würden. Und er würdigt die Domowina als eine Organisation, die Tradition und Moderne gekonnt verbinde. "Es ist durchaus hochmodern, Brauchtum und Tradition zu pflegen", erklärt Platzeck, um zu schlussfolgern: "Zukunft braucht Herkunft."

Christoph Bergner liefert seinem "Die Sorben tun Deutschland gut" eine aktuelle Begründung. Der Friedensnobelpreis sei auch deshalb an die Europäische Union gegangen, weil sich hier eine Gemeinschaft in kultureller und sprachlicher Vielfalt wie nie zuvor entwickelt habe. Dafür sei auch der modernen und lebendigen Gemeinschaft der Domowina gedankt.