Der sonst sehr diplomatische deutsche Regierungssprecher Bela Anda reagierte ausnahmsweise schroff: "Jegliche Kritik ist unberechtigt."
Schrille Töne hatten das Treffen der "großen Drei" in der EU eingeläutet, das gestern mit großem Kabinettsanhang im Berliner Kanzleramt über die Bühne ging. "EU-Superkommissar", "Direktorium", "Angriff auf Brüssel" lauteten einige Schlagzeilen. Der Tenor noch gestern aus der Regierung von Silvio Berlusconi in Italien: "Wir wollen nicht EU-Bürger zweiter Klasse sein."
Auf dem roten Teppich vor dem Kanzlerbau an der Spree war von der ganzen Aufregung nichts zu spüren. Es gab zwischen Jacques Chirac, Tony Blair und Gerhard Schröder keine Umarmungen, dafür freundliches Schulterklopfen. Und am großen Kabinettsrund ging man gleich zur Sache. "Die europäische Wirtschaft muss weltweit einfach offensiver werden", sagte Chirac. Und Schröder fügte hinzu: Niemand könne etwas dagegen haben, wenn man hier "Impulse für Europa" gebe.

Schwere Verhandlungen
Die Botschaft hinter den großen Worten ist klar: Die Drei wollen für die anstehenden Weichenstellungen in Europa Pflöcke einschlagen. Es stehen extrem schwierige Finanzverhandlungen an.
Nach der Europawahl am 13. Juni müssen Vorschläge für Struktur und Personal der nächsten EU-Kommission auf den Tisch, die im November die Arbeit aufnimmt. Und schließlich soll die EU-Verfassung noch in diesem Jahr unter Dach und Fach kommen. Darin sind sich die Drei einig. Doch die Frage aller Fragen in der EU lautet derzeit: Wer hat im zukünftigen erweiterten Europa der 25 das Sagen? Schröder, Chirac und Blair vermieden in Berlin jeden Eindruck, sie wollten den anderen Partnern ihre Meinung aufdrücken.
Doch die Bilder der drei Politiker mit ihren Kabinetten am runden Tisch in Berlin sind klar: Die EU-Spaltung im Zuge des Irak-Kriegs ist zunächst überwunden, die Großen ziehen jetzt wieder an einem Strang.
So wurde das Berliner "Triumvirat" vor allem aus Brüssel scharf beäugt. Nach allgemeiner, nicht nur Berliner Einschätzung besteht derzeit in der EU-Zentrale ein "Machtvakuum".
Die Kommission ist - so zuletzt in den Finanzfragen - nicht mehr einheitlich. Ihre Spitze steht vor dem Abgang.
In dieser Situation und mit Blick auf die neuen Machtbalancen in der EU hat das Wort der drei Großen besonderes Gewicht: Wenn sie zusammenhalten, kann gegen sie in der erweiterten EU kaum regiert werden.
Das gilt übrigens auch nach dem so genannten Nizza-Abstimmungssystem, das etwa Polen und Spanien noch hoch halten, um die in dem EU-Verfassungsentwurf vorgesehenen Entscheidungen mit doppelten Mehrheiten nach Länder- und Bevölkerungszahl zu verhindern.

Zeichen der "Nächstenliebe"
So gesehen hat der luxemburgische Ministerpräsident Jean Claude Juncker Recht, der in heiklen politischen EU-Fragen gerne die Dinge auf den Punkt bringt. Es sei geradezu ein Zeichen der "Nächstenliebe", wenn die "großen Drei" der Union im Vorfeld des nächsten Gipfels strittige Themen untereinander aus dem Feld räumten. Schließlich - so Junckers eigennütziges Resümee - spare das für alle Beteiligten Zeit.