Nach CDU und Grünen haben nun auch die Brandenburger Liberalen ihr Personalproblem: Zwischen der Potsdamer Landtagsbgeordneten Linda Teuteberg, dem Landesvorsitzenden Gregor Beyer und dem Fraktionsvorsitzenden Andreas Büttner herrscht erkennbar dicke Luft.

Für kommenden Montag hat Beyer deswegen zu einer Sondersitzung des Landesvorstands eingeladen, auf der er die Vertrauensfrage stellen will. Und in einem der RUNDSCHAU vorliegenden Schreiben an die Fraktionsmitglieder bittet Beyer die Fraktion darum, sich schon auf der nächsten Sitzung am kommenden Dienstag mit dem Thema "Kollegin Teuteberg" zu befassen.

Anlass dafür ist zum einen die Besetzung der Landesliste für die Bundestagswahlen im kommenden Jahr: Spitzenkandidat soll der Cottbuser Abgeordnete Martin Neumann werden, für Platz zwei war der Potsdamer Kreisvorsitzende Marcel Yon im Gespräch. Doch der scheiterte in seinem eigenen Wahlkreis bei der Aufstellung für die Direktkandidatur gegen das Landesvorstandsmitglied Jaqueline Krüger.

Gleichzeitig tauchten Gerüchte über Neumann auf: Könne Neumann, der sich vor einigen Jahren mit einem Bauprojekt verschuldete, denn überhaupt den Wahlkampf finanzieren? Wolle er vielleicht sogar nach der Hälfte der Legislaturperiode aufgeben? Gegenüber der RUNDSCHAU betonte Neumann, auf jeden Fall für eine volle Legislaturperoiode anzutreten. "Ich mache keine halben Sachen", so Neumann. Für den Posten des Spitzenkandidaten war auch schon einmal Linda Teuteberg im Gespräch.

"Wir sehen, dass die Gerüchte auch aus ihrem Umfeld kommen", sagt Beyer der RUNDSCHAU. "Wir haben im Landesvorstand einstimmig den Termin der Aufstellungsversammlung am 10. November beschlossen." Neumanns Kandidatur habe der Landesvorstand einstimmig begrüßt. "Aber wir haben ausdrücklich festgehalten, dass weitere Kandidaturen willkommen sind." Um das Ansehen des Cottbuser Abgeordneten nicht weiter zu beschädigen, will er im Landesvorstand die Vertrauensfrage stellen.

Linda Teuteberg gibt sich der RUNDSCHAU gegenüber einsilbig. "Ich konzentriere mich auf mein zweites Staatsexamen", sagt die junge Landtagsabgeordnete. "Ansonsten habe ich dazu nichts zu sagen." Doch die Aufstellungsversammlung im November torpediert relativ effektiv jede Chance der Juristin, selbst einen prominenten Platz auf der Landesliste der FDP zu erhalten. Zumal es noch eine zweite Konfliktlinie gibt: In der Fraktion mehrt sich der Unmut darüber, dass Teuteberg wegen des anstehenden Examens seit Monaten im Landtag fehlt - bei vollen Bezügen. Mehrfach tagten deswegen Ausschüsse, ohne dass die FDP vertreten war. Immer öfter übernehmen andere Abgeordnete deswegen ihre Arbeit. "Wir brauchen endlich klärende Gespräche zwischen Frau Teuteberg und Herrn Beyer", sagt der Cottbuser Landtagsabgeordnete Jens Lipsdorf, der betont, dass Beyer ebenso wie der Fraktionsvorsitzende Andreas Büttner eine gute Arbeit machten. "Frau Teuteberg muss endlich einmal offen sagen, was sie eigentlich will - doch das macht sie bislang nicht." Klare Worte erhofft sich auch der Vorsitzende der Liberalen Senioren, Hartmut Gisa, von der Sitzung des Landesvorstands am kommenden Montag. Gegenüber der RUNDSCHAU zeigte er sich von der Vertrauensfrage Beyers überrascht. "Ich kann mit Beyer gut zusammenarbeiten", sagte Gisa. Ähnlich äußerte sich auch der Teltower Landtagsabgeordnete Hans-Peter Goetz. "Für die Sondersitzung gibt es aus meiner Sicht derzeit keinen Grund", sagt Goetz. "Auch nicht für die Vertrauensfrage."

Lipsdorf dagegen denkt in einer anderen Richtung weiter: Die Erfahrungen, die seine Fraktion derzeit mache, sollten in der Neuregelung des Abgeordnetengesetzes berücksichtigt werden: "Wer nicht da ist, darf auch kein Geld kriegen - das muss da endlich rein."