So ein Koalitionsverhandlungstag beginnt üblicherweise mit einem Gruppenfoto am Vormittag. Da sind beide Mannschaften noch gut ausgeruht, haben ein Kraftfrühstück intus und grinsen breit. Dann gehen die Türen zu und sechs Stunden später wieder auf.

Heraus treten abgekämpfte Gestalten mit zerknitterten Anzügen und gerauften Haaren, die alles in allem ziemlich fertig aussehen, aber mit letzten Kräften standfest behaupten, sie hätten in einer "guten Gesprächsatmosphäre" viele "thematische Übereinstimmungen" entdeckt, woraus zu erkennen sei, dass sich "beide Seiten der gemeinsamen Verantwortung bewusst" seien, auch wenn "über das ein oder andere Thema länger debattiert" werden müsse.

Sachsens angehende Großkoalitionäre haben schon ein gemeinsames Lieblingswort. Im beginnenden schwarz-roten Projekt dreht sich alles um "Industrie 4.0" (gesprochen Vier Punkt Null). Nach drei industriellen Revolutionen (Dampfmaschine, Fließband, Computer) stecken wir demnach mitten in der vierten, die uns am Ende die intelligente Maschine bescheren wird.

Jedenfalls brauche keiner zu denken, "dass wir hier bloß sitzen und Kekse essen", erklärte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) neulich. Nein, manche Teilnehmer "haben sogar abgenommen", informierte SPD-Spitzenmann Martin Dulig übereinstimmend.

Anzusehen ist das noch niemandem. Gewogen wird erst, wenn der Koalitionsvertrag steht.