„Grund und Antrieb für meine Dichtung ist auch der Hass gegen die Poesie“, erläuterte er seinen Ansatz. Er rebelliere dagegen, dass sie das „Ende der Welt“ überlebt habe, „als wäre nichts geschehen“. Er habe „Poesie für Entsetzte“ geschaffen, schrieb Rozewicz, der am morgigen Sonntag 90 Jahre alt wird. Die Kritiker tauften seinen Stil „Geflüster, zum Schrei geworden“ und „Poetik der gewürgten Gurgel“.

Nach dem Tod von Zbigniew Herbert und Czeslaw Milosz gilt Rozewicz in seinem Heimatland – neben Literaturnobelpreisträgerin Wislawa Szymborska – als bedeutendster zeitgenössischer Lyriker und Dramatiker. Er ist einer der meistübersetzten Autoren Polens im deutschsprachigen Raum.

Geboren 1921 in Radomsko in Zentralpolen, erlebte Rozewicz als 18-Jähriger den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und schloss sich vier Jahre später der Widerstandsbewegung an. Er kämpfte mit der Waffe in der Hand gegen die deutschen Besatzer, sein Bruder wurde von der Gestapo hingerichtet. Als Partisan publizierte Rozewicz noch vor dem Kriegsende seinen ersten Gedichtband „Waldechos“. Nach 1945 studierte er Kunstgeschichte in Krakau. 1947 erschien sein Lyrikband „Niepokoj“ (Unruhe) – ein großer Erfolg, der ihm einen festen Platz in der polnischen Literatur sicherte. Seine Gedichte fanden auch in beiden deutschen Staaten viele Bewunderer: „Vierundzwanzig bin ich/gerettet/auf dem Weg zum Schlachten . . .“ In der Zeit des sozialistischen Realismus fiel der Dichter – als Nihilist angeprangert – in Ungnade. Erst nach Stalins Tod (1953) konnte er seine literarischen Experimente fortsetzen.

Rozewicz ist ein kritischer Beobachter der Zeit geblieben. Seine letzte Publikation „Kauf eine Katze im Sack“ (2008), eine Mischung aus verschiedenen literarischen Gattungen, ist eine Parodie auf die Auswüchse der Gegenwart. Der greise Dichter bediente sich dabei der Jugendsprache, der Sprache der Blogger, um über Politiker und die Stars der Showbranche oder Harry Potter zu lachen.