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Diana überwacht Weichen im Stellwerk Cottbus digital

Hartmut Schirmer, Leiter Steuerung und Planung im Bereich Produktionsdurchführung Cottbus der DB Netz AG und Uwe Ettrich, Anlagenverantwortlicher Leit- und Sicherungstechnik Netzbezirk Cottbus (v.l.) im Stellwerk Cottbus, dem Herz des Bahnhofs Cottbus.
Hartmut Schirmer, Leiter Steuerung und Planung im Bereich Produktionsdurchführung Cottbus der DB Netz AG und Uwe Ettrich, Anlagenverantwortlicher Leit- und Sicherungstechnik Netzbezirk Cottbus (v.l.) im Stellwerk Cottbus, dem Herz des Bahnhofs Cottbus. FOTO: Beate Möschl
Cottbus. Pünktlichkeit ist ein sensibles Thema für die Bahn – vor allem für ihre Fahrgäste. Zwischen Cottbus und Berlin müssen diese immerhin auf drei Bahnhaltepunkte verzichten, damit der RE 2 schneller nach Berlin rollt und pünktlich in Wismar ankommt. Von Beate Möschl

So extrem soll es nicht noch einmal laufen im Land, um wichtige Bahnverbindungen pünktlicher zu machen, hat Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) in Cottbus beim Regionaldialog zum Landesnahverkehrsplan 2018 bis 2022 versprochen.

Zu dem Zeitpunkt waren die Leit- und Sicherungstechniker im Stellwerk Cottbus der DB Netz AG schon um einiges schlauer und mit Diana intensiv in der Spur zur Verbesserung der Pünktlichkeit der Deutschen Bahn (DB). Seit Dezember 2016 wacht im Stellwerk Cottbus der DB Netz AG die digitale Diagnose- und Analyseplattform für Anlagen (Diana) rund um die Uhr über den Zustand elektrisch stellbarer Weichen und signalisiert mithilfe spezieller Sensoren, ob es den Weichen gut geht oder nicht. Das beugt nachweislich Störungen im Zugverkehr vor.

So soll es sein. Oberstes Ziel von Diana ist, Weichenauffälligkeiten zu erkennen, noch bevor sie zu Störungen werden, macht Hartmut Schirmer Leiter Planung und Steuerung Netzbezirk Cottbus, deutlich. "Verspätungen von Zügen, die von defekten Weichen ausgelöst werden, werden so präventiv minimiert. Zusätzlich werden Reparaturarbeiten besser planbar", sagt Schirmer. Der Cottbuser ist Projektleiter für die Einführung der digitalen Weichendiagnose in der Regionaldirektion Ost. Bis 2020 sollen 3325 der knapp 6500 Weichen in der Region Ost mit Diana-Sensoren ausgerüstet werden.

Die Sensoren, ungefähr so groß wie ein Feuerzeug, sitzen nicht an der Weiche selbst, sondern werden im Stellwerk auf die Kabel aufgesteckt, die den Motor des Weichenantriebs mit Strom versorgen. Wenn die Weiche gestellt wird, misst der Sensor induktiv den Stromverlauf während des Vorgangs. Die Ergebnisse gleicht das System mit einer Sollstromkurve ab. Die wird zuvor für jede einzelne Weiche individuell eingestellt. Entspricht die Messkurve dem Referenzwert, ist alles in Ordnung.

Die Messergebnisse können von den verantwortlichen Bahnmitarbeitern auf dem Computer und auf dem Smartphone eingesehen werden. Ein Ampelsystem zeigt, wie es welcher Weiche geht. Grün heißt, es ist alles in Ordnung, Messkurve und Referenzwert stimmen überein. Gelb signalisiert Störungsgefahr. Rot zeigt akuten Handlungsbedarf. Bei den Farben Gelb und Rot gibt es zusätzlich eine Push-Nachricht und eine Problemdiagnose.

An dieser Schnittstelle ist dann kompetentes, menschliches Handeln gefragt: Die Daten müssen richtig interpretiert werden. Der Anlagenverantwortliche entscheidet, ob und wann gehandelt wird, um die entsprechenden Weichen zu sanieren. In Cottbus spielt sich das bereits ein.

"Das System beginnt zu greifen. Wir schicken unsere Mitarbeiter schon raus, wenn eine Weiche ihre Toleranzgrenze erreicht. Sie nehmen sie in Augenschein, tauschen Bauteile aus, wenn nötig. Dadurch vermeiden wir Schäden und Behinderungen im Zugverkehr", schildert Uwe Ettrich. Er ist der Anlagenverantwortliche Leit- und Sicherungstechnik im Netzbezirk Cottbus.

29 Mitarbeiter und zehn Azubis des Bereiches Instandhaltung Leit- und Sicherungstechnik sind rund um die Uhr im Einsatz für einen störungsfreien Zugverkehr und ein im Fall des Falles zügiges Eingreifen bei Störungen. Sie sind in turnusmäßigem Rhythmus unterwegs, um die Weichen im Netzbezirk Cottbus zu warten, vorbeugend Bauteile auszuwechseln und wenn nötig Reparaturen auszulösen. Das kann und wird die digitale Dialog- und Anlagenanalyseplattform Diana ihnen nicht abnehmen. Im Gegenteil, sie soll keinen der erfahrenen Eisenbahner ersetzen, sondern ihren Einsatz zielgerichtet lenken helfen. Dafür ist sie auf den Input der erfahrenen Eisenbahner angewiesen. Sie geben ihre Informationen nach Weichenwartung oder Störfällen nun nicht mehr fernmündlich nach Berlin-Pankow durch - von dort wird das Cottbuser Stellwerk seit November 2010 gesteuert - sondern tippen sie ins Dienst-Smartphone. Das ist Futter für Diana und wird immer wertvoller, je mehr Daten zusammengetragen werden und auch in der Rückschau betrachtet werden können. "Wir müssen die Daten, die uns Diana liefert ja auch interpretieren lernen. Das ist ein langer und umfangreicher Prozess", sagt Ettrich.

Wie Hartmut Schirmer verspricht er sich viel von dem digitalen Instandhaltungswerkzeug, das sich von bereits üblichen Weichendiagnosesystemen vor allem durch die Systematik der Datenauswertung unterscheidet. Die Cottbuser können sich gut vorstellen, das auch für die digitale Dauer-Überwachung und Diagnose von Weichenheizungen und Bahnübergängen zu nutzen. "Doch erst einmal haben die Weichen mit ihrer Auswirkung auf den Zuglauf Priorität", sagt Ettrich.

Weichenstellung
Bis 2020 soll die Diagnose- und Anlagenanalyse-Plattform Diana die Stellströme von 30 000 Weichen messen. Seit 2016 werden bereits mehr als 9000 Weichen der rund 67 000 Weichen im deutschen Schienennetz fernüberwacht.

Diana ist Teil des Programms "Zukunft Bahn" für mehr Qualität, Pünktlichkeit und Kundenorientierung. Der Einsatz digitaler Technologien spielt dabei eine Schlüsselrolle. Digitalisierte Prozesse, Sensoren und Algorithmen bieten neue Möglichkeiten für die vorausschauende Instandhaltung von Zügen, Gleisen und Weichen, für digitale Services an Bord von Nahverkehrszügen und flexiblere Lösungen beim Waren- und Gütertransport, argumentiert die Bahn.