Nun hat die Diakonie-Katastrophenhilfe, das Hilfswerk der evangelischen Kirche in Deutschland und zahlreicher Freikirchen, Alarm geschlagen. „Obwohl sich in Somalia die größte humanitäre Krise der Welt abspielt, ist das Land öffentlich abgeschrieben“, sagte die Direktorin des Hilfswerks, Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel, gestern in Berlin. Nur wenn wieder einmal Piraten eine vor der ostafrikanischen Küste dahersegelnde Luxusjacht kaperten, gerate das Land in das Blickfeld der Weltöffentlichkeit.

Nahrungspreise explodieren
Doch die Piraten sind ein Teil des Problems, sagt Abukar Sheik Ali, Vorsitzender der von der Diakonie und dem Auswärtigen Amt unterstützten Hilfsorganisation „Daryeel Bulsho Guud“ (DBG/„Hilfe für alle“). Die Nahrungsmittelpreise in Somalia würden explodieren, weil kaum noch Hilfslieferungen in das Land durchkämen.
Denn kaum ein Schiff kann gefahrlos die Küste Somalias befahren, und die örtlichen Machthaber stehen nach Angaben der Hilfsorganisationen der Piraterie relativ hilflos gegenüber. Mit dem Ergebnis, dass ein 50 Kilogramm-Sack mit Reis, der vor einigen Monaten noch 22 US-Dollar kostete, heute nur noch für 60 US-Dollar erhältlich sei. Gleiches gelte im Übrigen auch für den Landweg, wo bewaffnete Milizen Hilfsgüter beschlagnahmen und Helfer mit dem Tode bedrohen, wie das DBG-Vorstandsmitglied Raila Sheik Amin berichtet. Auf der Pressekonferenz in Berlin erklärten die Somalier, es sei durchaus denkbar, dass künftig europäische Marineeinheiten die Frachtschiffe entlang der Küste eskortierten.

Mehr Einsatz für Frieden nötig
Ein stärkeres Engagement von Deutschland und Europa forderte auch die Diakonie-Chefin Füllkrug-Weitzel. „Wir vermissen den aktiven Einsatz für eine Friedenslösung vor Ort, in die alle Konfliktparteien ohne äußere Einmischung einbezogen werden.“ Durch massive und einseitige internationale Einflussnahme sei Somalia zum Schlachtfeld im „Antiterrorkrieg“ der USA geworden. Mit amerikanischer Unterstützung seien seit 2006 rund 30 000 äthiopische Soldaten nach Somalia einmarschiert, seitdem habe sich die Lage im Land permanent verschlechtert. Mit militärischen Mitteln sei jedoch kein Frieden zu erreichen, sagte Füllkrug-Weitzel. „Nur legitime politische Autoritäten können den Zustand der Gesetzlosigkeit beenden.