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| 02:44 Uhr

Deutschlands katholische Bischöfe bestimmen heute ihr Oberhaupt

Der als sehr spirituell geltende Bischof Felix Genn soll mit allen Seiten gut auskommen.
Der als sehr spirituell geltende Bischof Felix Genn soll mit allen Seiten gut auskommen. FOTO: dpa
Münster. Sie tagen hinter verschlossenen Türen, im großen Saal des bischöflichen Priesterseminars von Münster. Wann immer einer der 64 katholischen Bischöfe, Weihbischöfe und Diözesanadministratoren den Kopf durch die Tür steckt, ist er von Medienvertretern umlagert. Benjamin Lassiwe

Abgeschottet von der Öffentlichkeit fällt dort heute eine der wichtigsten Personalentscheidungen des deutschen Katholizismus: Gegen halb zehn werden alle Bischöfe ihre kleinen, weißen Stimmzettel in die von Pater Hans Langendörfer, dem Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, durch den Raum getragene Wahlurne werfen. Gesucht wird ein Nachfolger für Robert Zollitsch, dem Erzbischof von Freiburg, der seit sechs Jahren Vorsitzender des Gremiums war.

Und schon heute ist klar: Die katholische Kirche in Deutschland steht vor einem Generationswechsel. Die Zeit, in der die Kirche vom streitbaren Kölner Kardinal Joachim Meisner, den Papst Franziskus rechtzeitig vor Beginn der Konferenz in den Ruhestand geschickt hat, und seinem liberalen Gegenpol Karl Lehmann geprägt wurde, neigt sich dem Ende entgegen. Nun geht es um die Bodes, Overbecks und Genns. Denn vier Herren werden derzeit als Favoriten gehandelt: An erster Stelle steht der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode. Der als liberal geltende Theologe sorgte im Missbrauchsskandal für Aufsehen, als er als erster katholischer Oberhirte zu einem Schuldeingeständnis bereit war, und sich zur öffentlichen Buße auf den Fußboden seiner Bischofskirche legte. Dann ist da der Münsteraner Bischof Felix Genn, der als eher fromm und spirituell gilt, aber genau deswegen mit liberalen wie mit konservativen Amtsbrüdern gut zurecht kommen soll. Konservativ ist der ehrgeizige, zuweilen auch deutliche Worte wählende Essener Bischof Franz-Josef Overbeck, der derzeit auch katholischer Militärbischof ist. Und schließlich Stephan Ackermann, der sich Respekt erwarb, als er als Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz den deutschen Katholizismus durch eine seiner schwersten Krisen manövrierte.

Mit etwas geringeren Chancen, aber keineswegs aussichtslos gehen die beiden Kardinäle Rainer Maria Woelki und Reinhard Marx ins Rennen. Beide haben sich in den letzten Jahren überregional profiliert - doch beide könnten ihren Wählern durch einen Vorsitz in der Konferenz auch zu mächtig werden. Vor allem Marx sammelt derzeit römische Ämter: Er gehört dem Kardinalsgremium zur Kurienreform an und sitzt einer vatikanischen Expertengruppe zur Reform der Kirchenfinanzen vor. Genannt wird gelegentlich auch der Bischof von Dresden-Meißen, Heiner Koch. Der katholische Publizist Andreas Püttmann, dessen Stimme unter konservativen Katholiken Gewicht hat, brachte Koch jüngst ins Rennen - doch mehr als Außenseiterchancen dürfte Koch nicht haben.

Franz-Josef Bode bekannte sich als erster Bischof zur Schuld der Kirche im Missbrauchsskandal.
Franz-Josef Bode bekannte sich als erster Bischof zur Schuld der Kirche im Missbrauchsskandal. FOTO: dpa