Der Jobmotor in Deutschland brummt. Im vergangenen Jahr waren im Schnitt 43 Millionen Menschen erwerbstätig - so viele wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Nach Einschätzung von BA-Vorstand Scheele kann der Arbeitsmarkt deshalb auch eine hohe Zahl von Zuwanderern locker verkraften.

"350 000 Flüchtlinge jährlich sind für den deutschen Arbeitsmarkt rein quantitativ derzeit kein Problem, denn jährlich entstehen rund 700 000 Arbeitsplätze neu", sagte er am Montag vor Journalisten in Berlin. Die Zahl 350 000 entspricht in etwa der Größenordnung, die in diesem Jahr als anerkannte Asylbewerber eine Arbeit oder Ausbildung suchen.

Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist Scheeles Aussage allerdings nur theoretisch von Belang. Wegen der guten Konjunktur könne der Arbeitsmarkt zwar viele Menschen zusätzlich aufnehmen. "Wir haben aber eine problematische Struktur. Das heißt, die wenig Qualifizierten sind nur sehr schwer in Jobs zu bringen", erläuterte der DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke im Gespräch mit der RUNDSCHAU. Auf eine freie Stelle, die bei der Bundesagentur gemeldet sei, kämen derzeit 15 Arbeitslose, die sich nur für einfache Tätigkeiten eigneten. "Die Frage ist also nicht, was quantitativ geht, sondern was qualitativ möglich ist."

Nach wie vor gibt es wenig gesicherte Erkenntnisse über das Bildungsniveau der Flüchtlinge. Fest steht aber, dass Akademiker nur eine kleine Gruppe bilden und ein Berufsausbildungssystem wie in Deutschland in den Herkunftsstaaten der Neuankömmlinge unbekannt ist. Genauso wenig besteht dort eine zehnjährige Schulpflicht. Die größte Hürde sind jedoch mangelnde Sprachkenntnisse. Ein Ausdruck dafür ist die überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit unter den Personen aus Kriegs- und Krisenländern. Nach dem aktuellen Zuwanderungsmonitor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) lag die Quote im November 2015 bei 42 Prozent. Zum Vergleich: Die Zahl der Arbeitslosen gemessen an allen erwerbsfähigen Personen in Deutschland betrug im November lediglich sechs Prozent.

Zur Integration von Menschen mit schlechten Vermittlungsaussichten hat die Bundesagentur für Arbeit eine halbes Dutzend Hilfsprogramme aufgelegt, die Arbeitgeber auch für die Einstellung von Flüchtlingen nutzen sollen. So können zum Beispiel junge Asylbewerber und Geduldete bereits ab dem vierten Aufenthaltsmonat in Deutschland eine ausbildungsbegleitende Unterstützung bekommen. Einstiegsqualifizierungen sind ebenfalls ab diesem Zeitpunkt möglich.

Darüber hinaus können gering qualifizierte Beschäftigte von Weiterbildungsmaßnahmen profitieren, die zu einem anerkannten Berufsabschuss führen. Der Verdienstausfall für die Zeit der Weiterbildung wird dann von der BA erstattet.

Solche Programme würden das Problem mildern. Sie reichten aber nicht aus, sagte Brenke. "Flüchtlinge mit großer Bleibewahrscheinlichkeit müssen schon während des Asylverfahrens einen Sprachkurs bekommen. Zugleich müsste die BA in dieser Zeit die jeweilige Qualifikation feststellen."

Dass die Integration ein langer und steiniger Weg werden wird, ist auch BA-Vorstand Scheele bewusst. "Wir gehen davon aus, dass zehn Prozent der Flüchtlinge nach einem Jahr eine Arbeit finden können, 50 Prozent nach fünf Jahren und 75 nach zwölf bis 13 Jahren."