1991 war es noch gut jeder vierte Haushalt. Nach einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sind deshalb bis 2030 allein im stationären Pflegebereich bis zu 220 000 zusätzliche Plätze notwendig.

Über die Kosten der Pflegebedürftigkeit ist schon viel diskutiert worden. Genauso wie über den wachsenden Bedarf an Pflegekräften. Die nicht minder notwendige Infrastruktur findet indes vergleichsweise wenig Beachtung, was daran liegen könnte, dass die Bundesregierung auch für die weitere Zukunft große Hoffnungen in die Versorgung der Pflegebedürftigen durch Angehörige setzt. Von den gegenwärtig etwa 2,6 Millionen Pflegebedürftigen werden gut zwei Drittel zu Hause betreut, die anderen im Pflegeheim.

Weniger Frauen als Pflegerinnen?

IW-Chef Michael Hüther bezweifelt jedoch, dass es dabei bleibt. Tendenziell sinke der Anteil derjenigen, die ausschließlich Pflegegeld für die häusliche Pflege bezögen, erläuterte Hüther am Montag in Berlin. Außerdem sei offen, wie sich die steigende Erwerbstätigkeit von Frauen auf den Pflegebereich auswirke. Bislang sind es vor allem Frauen, die Angehörige daheim pflegen. Hinzu komme der wachsende Anteil Kinderloser, die künftig keine Aussicht auf die familiäre Hilfe hätten, sagte Hüther. So haben heute zwölf Prozent der 65- bis 74-Jährigen keine Kinder. Bei den heute 45- bis 54-Jährigern sind es bereits 19 Prozent.

Vor diesem Hintergrund rechnet das IW damit, dass es im Jahr 2030 insgesamt mehr als eine Million stationär zu versorgender Pflegebedürftiger geben wird - rund 300 000 mehr als heute. Dafür würden 220 000 zusätzliche Heimplätze gebraucht. Auch in der ambulanten Pflege werden sich die Fallzahlen laut IW dann um bis zu 209 000 erhöhen. Unter dem Strich sei 2030 mit bis zu 828 000 zusätzlichen Pflegefällen zu rechnen, so das IW.

Mehr Pflegebedarf im Osten

Der Mehrbedarf an entsprechenden Versorgungsstrukturen fällt jedoch regional unterschiedlich aus. Grundsätzlich gilt: In den ostdeutschen Flächenländern ist der Anteil der Pflegebedürftigen an der Bevölkerung höher als im Westen. Mecklenburg-Vorpommern steht mit 4,6 Prozent bundesweit an der Spitze. Die wenigsten Pflegebedürftigen gemessen an der Einwohnerzahl hat Bayern mit 2,7 Prozent. In Brandenburg sind es 4,4 und in Sachsen 3,9 Prozent.

Hinzu kommt, dass die Heime im Osten jetzt schon mit durchschnittlich über 90 Prozent weitestgehend ausgelastet sind. Dagegen haben Bayern und Rheinland-Pfalz mit einer Belegungsquote von jeweils nur knapp über 80 Prozent die größten Kapazitätsreserven. Selbst unter optimistischen Annahmen müssten aber auch in Bayern bis 2030 rund 17 000 Heimplätze zusätzlich bereitgestellt werden. Das sind 13 Prozent mehr als im Jahr 2013. "Ohne den frühzeitigen Aufbau einer geeigneten stationären Infrastruktur sind Versorgungsengpässe programmiert", warnte Hüther. Hier seien sowohl private Pflegeanbieter als auch die Bundesländer gefordert.

Nach einer jüngst veröffentlichten Studie werden mittlerweile 38 Prozent der stationär Pflegebedürftigen in privaten Heimen versorgt. Im ambulanten Bereich liegt der Marktanteil der Privaten bei 50 Prozent.

Faire Bedingungen schaffen

Zwischen 1999 und 2013 ist die Zahl der Pflegeheime bei den privaten Trägen um 73 Prozent gestiegen, bei den öffentlichen dagegen um 18 Prozent gesunken. "Ohne private Anbieter in der Pflege gäbe es keine flächendeckende Versorgung", sagte der Präsident Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste, Bernd Meurer, der RUNDSCHAU.

Die wachsende Zahl der Pflegebedürftigen sei nur zu meistern, wenn private Anbieter "faire Bedingungen und angemessene Anreize erhalten".