Als EU-Mitglied, Nachbar und Partner der vom Terror erschütterten Franzosen steht Deutschland in der Pflicht. Doch vor einem direkten militärischen Engagement in Syrien oder im Irak, wo die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Zivilisten terrorisiert und Anschläge plant, schreckt die Bundesregierung zurück. Denn eine Beteiligung, die über die bisherige Unterstützung der irakischen Peschmerga-Einheiten hinausginge, würde ein hohes militärisches und vor allem politisches Risiko bergen - selbst ohne Bodentruppen.

Fragt man Regierungsmitglieder nach dem deutschen Beitrag zum Kampf gegen den internationalen Terrorismus, fällt jetzt häufig das Wort "Mali". Ja, auch die für Frühjahr 2016 geplante Entsendung von mehreren Hundert Bundeswehr-Angehörigen in den instabilen Norden von Mali ist nicht ungefährlich. Auch in dem westafrikanischen Land sind militante Islamisten aktiv. Sie versuchen, den Friedensprozess zu zerstören. Dabei greifen sie auch die Blauhelme an. 56 Angehörige der UN-Mission sind seit Beginn des Einsatzes 2013 getötet worden.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagt, durch das deutsche Engagement in dem westafrikanischen Land würden die französischen Streitkräfte, die nun ihren Kampf gegen den IS verstärken wollen, entlastet. Allerdings sollen die Deutschen in der Mali-Blauhelmmission (Minusma) eigentlich die Niederländer entlasten, nicht die Franzosen. Die französische Anti-Terror-Operation "Barkhane" beschränkt sich auch nicht auf Mali. Mit insgesamt rund 3000 Soldaten versucht Frankreich in Burkina Faso, in Mauretanien, im Niger, in Mali und im Tschad, eine Ausbreitung islamistischer Terroristen und Milizen zu verhindern.

Bisher nimmt die Bundeswehr mit 200 Soldaten an einer EU-Ausbildungsmission im relativ sicheren Süden Malis teil. Für Minusma sind derzeit zehn deutsche Soldaten im Hauptquartier in der Hauptstadt Bamako. Von der Leyens Ziel ist es, das Mandat für den erweiterten Einsatz in Mali möglichst noch in diesem Jahr im Kabinett zu behandeln. Experten schätzen, dass es auf die Entsendung von etwa 700 Soldaten hinauslaufen könnte. Damit wäre Mali neben Afghanistan und Kosovo einer der größten Auslandseinsätze der Bundeswehr.

Ob das den Franzosen reicht? Michael Hanisch von der Bundesakademie für Sicherheitspolitik sagte: "Zu hinterfragen bleibt, ob die Bundesregierung mit der deutlichen Schwerpunktbildung der Bundeswehr-Einsätze auf dem afrikanischen Kontinent auch das strategische Kalkül verbindet, sich in anderen Krisenregionen ausschließlich politisch und wirtschaftlich und nicht militärisch engagieren zu können, selbst wenn der Einsatz militärischer Mittel zur Disposition stünde."

Franziska Brantner (Grüne) warnt davor zu glauben, mit der Unterstützung der Peschmerga und dem Mali-Einsatz habe Deutschland sein Soll erfüllt. Die Bundestagsabgeordnete sagt: "Ich finde, dass man sich darauf vorbereiten sollte, im Rahmen eines UN-Einsatzes Beobachter nach Syrien zu schicken, falls es dort, wie bei den Syrien-Gesprächen in Wien angedacht, wirklich eine Waffenruhe geben sollte."

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hält das für verfrüht. Er sagt: "Ich wäre froh, wenn wir in dem Zustand wären, jetzt zu überlegen, wer den Waffenstillstand in Syrien sichert."