Seither reisen nur noch deutsche Politiker aus zweiter Reihe in den Iran - und Leute, die früher etwas zu sagen hatten. Aber die sind von einiger Prominenz: Nächste Woche zum Beispiel packt der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) seine Koffer. Besonders gelegen kommt der Iran-Besuch des Ex-Kanzlers der heutigen Regierung nicht. Wegen des iranischen Atomprogramms arbeitet Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) gerade daran, die bestehenden Sanktionen zu verschärfen. Es gibt aber Zweifel, ob dies das geeignete Mittel ist, um Teheran von seinen Plänen abzubringen. Der Westen fürchtet, dass der Iran unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms Atomwaffen entwickelt. Wachsender Handel Was den Umgang mit den Mullahs angeht, steht Deutschland international unter verschärfter Beobachtung. Die Bundesrepu blik und der Iran haben immer noch gute Geschäftsbeziehungen. Trotz aller Unzufriedenheit über den Kurs von Präsident Mahmud Ahmadinedschad wuchs der deutsche Iran-Handel 2008 auf rund vier Milliarden Euro - im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von mehr als zehn Prozent. Deshalb wird Deutschland aus Ländern wie den USA und Israel der Vorwurf gemacht, die Sanktionen zu unterlaufen. Mit dem deutschen Bekenntnis zum Existenzrecht Israels, das vom Iran immer wieder infrage gestellt wird, verträgt sich das schlecht. Wenige Bürgschaften Angesichts der internationalen Kritik werden Ausfuhranträge deutscher Firmen heutzutage kritischer geprüft. Außerdem bekommen sie kaum noch staatliche Hermes-Bürgschaften fürs Iran-Geschäft. Das liegt an der Politik. Deutschland gehört zur Sechsergruppe, die den Iran mit politischen und wirtschaftlichen Anreizen zu einer ausschließlich zivilen Nutzung der Atomkraft bewegen wollen. Unter dem neuen Präsidenten Barack Obama haben die USA Teheran erstmals direkte Gespräche angeboten. Zugleich sind aber international härtere Strafmaßnahmen in Vorbereitung. "Wir müssen uns auch darauf vorbereiten, weitere Sanktionen zu verhängen, wenn Iran bei seiner kompromisslosen Haltung bleibt", so Steinmeier. In der deutschen Wirtschaft werden solche Drohgebärden nicht gern gesehen. Dort wird auch darauf verwiesen, dass der Iran über die weltweit zweitgrößten Gasvorkommen verfügt - in Zeiten, in denen Russland Europa den Gashahn zudreht, kein schlechtes Argument. Auch aus der Union kam deshalb schon die Forderung, Steinmeier solle keine "Scheuklappenpolitik" betreiben, sondern selbst in den Iran fahren. Aber davon ist die deutsche Außenpolitik derzeit weit entfernt.