Ex-Verteidigungsminister Franz-Josef Jung sprach 2008 plötzlich von "Gefallenen" statt von "Einsatzunfallopfern", ein Tabubruch. Sein Nachfolger Karl-Theodor zu Guttenberg nannte die Situation in Afghanistan als erster ungeschminkt "Krieg". Und nun will Thomas de Maizière, dass die Gesellschaft die von den Auslandseinsätzen zurückkehrenden Soldaten als "Veteranen" achtet.

Ist das der Versuch, das Land sprachlich zu militarisieren? Oder nur Hinwendung zur Realität? "Wir haben jahrelang eine verdruckste Sprache gesprochen, die verschleiernd war", sagte de Maizière kürzlich beim Neujahrsempfang der Militärseelsorge in München. Und nahm gleich auch noch die Worte "sterben" und "töten" in den Mund.

Seinen ersten Vorstoß zur Ehrung von Veteranen machte de Maizière vor einem Jahr, damals verbunden mit der Anregung, einen Gedenktag für sie einzurichten und vielleicht eine Tapferkeitsmedaille zu schaffen. Im Herbst legte er eine Definition nach: Veteran sei ein ehemaliger Bundeswehrangehöriger, der im Auslandseinsatz war. Schätzungsweise 200 000 Soldaten fallen inzwischen in diese Kategorie. Es gibt auch schon eine Interessenvereinigung - Bund Deutscher Veteranen. Ihr Vorsitzender Andreas Timmermann-Levanas fordert "Symbole der Anerkennung". Das reicht von einer Veteranenkarte, mit der bestimmte Vorteile gewährt werden, über eine Sonderbriefmarke bis zu einer würdevollen Empfangszeremonie, wenn die Soldaten aus dem Einsatz zurückkehren.

Bei Timmermann-Levanas hört man durch, dass die Veteranen vor allen Dingen belastet, wie wenig die deutsche Öffentlichkeit von ihnen Notiz nimmt. "Wir waren mit der deutschen Fahne im Einsatz, während daheim die Leute unter der gleichen Fahne ein Fußball-Sommermärchen gefeiert haben", sagt er. Der Umgang mit jenen Soldaten, die mit einer posttraumatischen Störung zurückkehren, etwa zehn Prozent der Heimkehrer, ist auch aus Sicht des Verbandes nicht das Hauptproblem. Hier wird vom Dienstherrn Bundeswehr inzwischen viel mehr Hilfe angeboten als früher.

Die SPD reagierte bisher skeptisch. Man könne Anerkennung nicht verordnen, befand ihr verteidigungspolitischer Sprecher Rainer Arnold. Ausgerechnet die Bundestagsfraktion der Grünen veranstaltete in dieser Woche als erste und einzige in Berlin ein Fachforum zum Thema. Es gehe, erklärte die Abgeordnete Agnieszka Brugger, nicht um die Anerkennung der Kriegseinsätze selbst. Das sei eine andere Diskussion. Es gehe um die Würdigung der Soldaten und ihrer Erlebnisse. Schließlich habe der Bundestag sie im Namen des deutschen Volkes rausgeschickt.

Man müsse den richtigen Weg zwischen "Glorifizierung und Ignoranz" finden, ergänzte auch ihr Kollege Omid Nouripur. Der frühere Grünen-Abgeordnete Winfried Nachtweih sagte, es sei gesellschaftlich brisant, wenn Tausende von Männern, die im staatlichen Auftrag geschossen und getötet hätten, nicht beachtet würden. Er schlug den Tag der internationalen "Uno-Peacekeeper" (Friedenssicherer), den 29. Mai, als jährlichen Veteranen-Gedenktag vor. Allerdings dann auch für die Polizisten im Auslandseinsatz.

Widerspruch gab es auch. Der Grünen-Abgeordnete Tom Koenigs nannte den Veteranen-Begriff "schwülstig". Die zivilen Entwicklungshelfer waren ebenfalls vertreten. Sie verlangten für ihre Arbeit genauso Anerkennung, wollten aber keinesfalls mit den Soldaten in einen Topf geworfen werden. Und der Bundeswehrverband schließlich befand, seine Mitglieder bräuchten das Ganze nicht. Eine funktionierende staatliche Fürsorge für die heimkehrenden Soldaten sei viel wichtiger.