Für CSU-Chef Horst Seehofer scheint die Haltung der Bundesregierung klar zu sein: Der Westen müsse zusammenstehen, das gelte erst recht für die Bundesregierung, sagte der bayerische Ministerpräsident dem Spiegel. Seehofer bezog sich darauf, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Russland vorgeworfen hatte, das internationale Recht mit Füßen zu treten. Sie warnte vor einem Flächenbrand durch das Vorgehen Russlands in der Ukraine-Krise.

Längst nicht so sicher scheint sich Seehofer allerdings zu sein, dass der Koalitionspartner SPD auch zu dieser Linie steht. Er wolle Klarheit vom SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel, ob dessen Partei den Kurs der Kanzlerin unterstütze, sagte Seehofer. Er werde das Thema beim Koalitionsausschuss am Dienstag zur Sprache bringen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sah zwar ebenfalls die Gefahr einer "militärischen Großkonfrontation". Er rief aber auch zu verbaler Mäßigung auf. Er kenne Steinmeier als "besonnenen Diplomaten", sagte Seehofer. "Doch wenn Herr Steinmeier eine eigene Diplomatie neben der Bundeskanzlerin betreibt, so wäre das brandgefährlich."

Auch Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) rückt in den Fokus dieser Debatte. Das Deutsch-Russische Forum, das von Platzeck geleitet wird, soll vom deutsch-russischen Gesprächsforum "Petersburger Dialog" getrennt werden. Das sehe ein Eckpunktepapier vor, das von Kanzleramt und Auswärtigem Amt unterstützt wird, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Der Petersburger Dialog, der als Forum zwischen der deutschen und der russischen Zivilgesellschaft gedacht ist, müsse in Zukunft "auch Raum für die kritische Auseinandersetzung mit der russischen Politik geben". Das Reform-Zugeständnis soll Merkel am Rande der Kabinettssitzung am Mittwoch Außenminister Steinmeier abgerungen haben. Auch der Dialog-Vorsitzende Lothar de Maizière (CDU) solle abgelöst werden. Der letzte DDR-Ministerpräsident gelte im Kanzleramt als zu unkritisch gegenüber Russland.