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| 02:49 Uhr

"Deutschland muss die Rolle eines ehrlichen Maklers einnehmen"

Auf Einladung des Afrikabeauftragten der Bundeskanzlerin, Günter Nooke, sind 18 afrikanische Botschafter in die Lausitz gekommen. Im RUNDSCHAU-Interview erklärt Günter Nooke, warum er die Lausitz als Ziel auswählte. Mit Günter Nooke sprach Alexander Dinger

Herr Nooke, warum sind Sie mit den afrikanischen Botschaftern in die Lausitz gekommen?
Wir haben uns die Orte der Rekultivierung der ehemaligen Braunkohletagebaue angeschaut. Für viele afrikanische Länder ist der Bergbau ein wichtiger Sektor für wirtschaftliches Wachstum.

Was können die afrikanischen Botschafter vom Braunkohletagebau aus der Lausitz lernen?
Der Bergbau muss in erster Linie nachhaltig sein. Es müsste bereits jetzt Geld beiseitegelegt werden, damit die Landschaft später rekultiviert werden kann. Der Besuch in der Lausitz soll deutsches Know-how in der Bergbausanierung zeigen und Deutschland als alte Bergbaunation ins Gespräch bringen. Wir haben ein Interesse an der Zulieferung von Maschinen und Anlagen, im Rohstoffhandel und bei Beratungsleistungen.

In Afrika sind vor allem die Chinesen im Bergbau aktiv. Deutschland kaum. Warum hat die Bundesrepublik Interesse an nachhaltigem Bergbau in Afrika?
In Afrika werden Regierungen leider oft von Konzernen ausgenutzt. Im schlimmsten Fall werden in Afrika am Weltmarkt vorbei billig Rohstoffe abgebaut. So wird zusätzlicher Konkurrenzdruck auf die deutsche Wirtschaft aufgebaut und in 30 Jahren leisten wir immer noch Entwicklungshilfe, um ökologische und soziale Schäden zu beseitigen. Ziel kann nur sein, dass Rohstoffe frei gehandelt werden. Und die Rohstoffförderung soll so ökologisch wie möglich geschehen. Die Lausitz ist ein gutes Beispiel dafür, wie man Bergbau richtig machen kann.

In der Lausitz wurden seit der Wende mehr als neun Milliarden Euro in die Rekultivierung der Tagebaue gesteckt. Woher soll das Geld in Afrika kommen?
Es gibt viele gute Gründe, die Rohstoffe gar nicht erst aus dem Boden zu holen. Wenn man nicht von Anfang an Geld beiseite hält, um später die Rekultivierung stemmen zu können, ist das ein hoffnungsloses Unterfangen. Deutschland muss die Rolle eines ehrlichen Maklers einnehmen, der dabei hilf, dass die Rohstoffvorkommen in afrikanischen Ländern verantwortlich genutzt werden.