Deutschland altert. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Die aktuellen Daten, die das Statistische Bundesamt am gestrigen Mittwoch in Berlin dazu präsentierte, belegen jedoch eine dramatische Entwicklung: In kaum einem anderen Land gibt es mittlerweile so wenige junge Menschen und gleichzeitig so viele Senioren wie in der Bundesrepublik. Die RUNDSCHAU dokumentiert nachfolgend die wichtigsten Zahlen rund um den demografischen Wandel:

Geburten: Gerade einmal acht Kinder pro Tausend Einwohner werden heute in Deutschland geboren - so wenig wie in keinem anderen Staat der Welt. Ein wesentlicher Grund hierfür ist die Altersstruktur.

Der Geburtenrückgang setzte schon vor fast 50 Jahren ein. Seit rund vier Jahrzehnten reicht die Zahl der Neugeborenen nicht mehr aus, um die Elterngenerationen zu ersetzen. Dazu müsste eine Frau im Schnitt 2,1 Kinder gebären.

Tatsächlich liegt diese Zahl seit geraumer Zeit aber nur bei etwa 1,4, zuletzt sogar etwas darunter. Kamen im Rekordjahr 1964 noch 1,4 Millionen Kinder zur Welt, so waren es im Vorjahr nur noch 663 000. Von Generation zu Generation gibt es dadurch immer weniger Frauen - und damit auch immer weniger potenzielle Mütter.

Lebenserwartung: Der Trend zur Senioren-Gesellschaft wird durch die steigende Lebenserwartung verstärkt. Hatte ein Anfang der 1960er-Jahre geborenes Mädchen eine Lebenserwartung von 72 Jahren, so sind es inzwischen 83 Jahre.

Jede fünfte der im Jahr 2010 verstorbenen Frauen war 90 und älter. Auch bei den neugeborenen Jungen ist die Lebenserwartung im gleichen Zeitraum um elf Jahre gestiegen - von 67 auf 78.

Jüngere: Im Jahr 2010 war nicht einmal jeder siebte Deutsche jünger als 15 Jahre. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung betrug lediglich 13,5 Prozent. Im weltweiten Vergleich weist nur Japan einen noch geringeren Anteil aus (13,4 Prozent). Setzt man die Zahl der unter 20-Jährigen ins Verhältnis zur Bevölkerung im Erwerbsalter, dann kamen 1980 noch 46 Jüngere auf 100 Personen. 2010 waren es nur noch 30 Jüngere.

Ältere: Schon heute hat Deutschland neben Italien den höchsten Anteil der Generation "65 plus" in Europa. Jeder fünfte Bundesbürger (20,4 Prozent) ist im Rentenalter.

Im weltweiten Maßstab liegt abermals Japan vorn. Dort sind 22,7 Prozent der Bevölkerung 65 und älter. Immer weniger Jüngere werden künftig also immer mehr Ältere über ihre Rentenbeiträge "versorgen" müssen: 1980 kamen noch 27 Rentner auf 100 Personen im Erwerbsalter. 2010 betrug das Verhältnis schon 34 zu 100.

Für das Jahr 2030 rechnen die Statistiker bereits mit einer Relation von 53 zu 100.

Migration: Die Zuwanderung vermag die deutsche Bevölkerung zwar etwas zu verjüngen, weil Einwanderer tendenziell jünger sind als Menschen, die aus Deutschland auswandern. Aber die Alterung der Gesellschaft wird dadurch nicht gestoppt, sondern nur verlangsamt. Für eine Trendumkehr wären weitaus höhere Wanderungsüberschüsse als bisher notwendig, die aber nicht realistisch seien, heißt es beim Statistischen Bundesamt. Im Vorjahr kamen nur rund 300 000 Personen mehr nach Deutschland, als fort gezogen sind.