Die Worte von BKA-Chef Jörg Ziercke klangen gestern dramatisch: "Die organisierte Kriminalität ist an der Haustür angekommen." Übertrieben ist das nicht. In Deutschland gab es im vergangenen Jahr rund 150 000 Wohnungseinbrüche. Und immer mehr davon gehen auf das Konto von russischen oder georgischen Banden. Die Bosse sitzen im Ausland, sie haben die Republik offenkundig in 22 Regionen aufgeteilt, 20 000 Kriminelle operieren laut Ziercke planmäßig in "Brigaden".

Zusammen mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière CDU) stellte Ziercke bei der Bundespressekonferenz den Bericht über organisierte Kriminalität 2013 vor. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zur organisierten Kriminalität:

Ist Deutschland ein Eldorado für Verbrecher?

Allein schon aufgrund der Zahlen bei den Einbrüchen liegt diese Annahme nahe. Im letzten Jahr gab es zudem 580 Ermittlungsverfahren, 2012 waren es 568. Die Zahl der Tatverdächtigen wuchs um 15 Prozent auf 9155. Insgesamt summierte sich der Schaden durch die organisierte Kriminalität auf 714 Millionen Euro. Allerdings muss man wissen: Die Dunkelziffer ist immens.

In welchen Bereichen operiert die organisierte Kriminalität? "Wir reden über Massendelikte", meinte gestern Innenminister Thomas de Maizière. Den größten Anteil an den registrierten "OK-Taten" hat der Rauschgifthandel mit 35,2 Prozent, gefolgt wurde er von Eigentumsdelikten (16 Prozent) und der Wirtschaftskriminalität (13,1 Prozent).

Fakt ist aber auch: Es gibt keinen Bereich, in dem die Kriminellen nicht tätig sind. Kfz-Klau, massenhafter Telefonbetrug deutscher Rentner durch ein Call-Center in der Türkei, Geldwäsche, Menschenhandel, Prostitution, Internetbetrug - selbst bei Investitionen in erneuerbare Energien kamen Ermittler einer Bande auf die Spur.

Welche Täter sind worauf spezialisiert? Polnische und litauische Gruppen stahlen laut der Fahnder vor allem Autos, um sie in ihre Heimatländer zu verfrachten. Albanische und libanesische Banden setzten wie niederländische Gruppierungen auf Rauschgifthandel, Kriminelle aus der ehemaligen Sowjetunion (zum Beispiel Russland oder Georgien) fielen als Einbrecher auf. Allein 5000 Russen sitzen derzeit in deutschen Gefängnissen. Außerdem waren Banden aus Balkanländern hierzulande aktiv, genauso wie die italienische Mafia. Ihr werden rund 500 Angehörige zugerechnet, die vor allem auf Kokainhandel und Geldwäsche spezialisiert sind.

Inwieweit sind Deutsche an der organisierten Kriminalität beteiligt?

Sie stellen unter den mutmaßlichen Angehörigen von Verbrecherbanden auch 2013 mit 40,5 Prozent die größte Gruppe. BKA-Präsident Ziercke wies vor allem auf die Rockerbanden hin, die in Deutschland mehrere Tausend Mitglieder und Unterstützer hätten. Sie sind in den letzten Jahren deutlich angewachsen, da einige Gangs ihre "Aufnahmerituale gelockert" hätten. Erpressung, Mordaufträge, Rotlicht- und Drogengeschäfte werden ihnen zugeschrieben.

Wie wollen die Sicherheitsbehörden mit dem Problem fertig werden? Durch eine "Null-Toleranz-Strategie", so erklärte es Ziercke. Es gebe beachtliche Erfolge durch die internationale Kooperation, ergänzte de Maizière. Allerdings müsse die Zusammenarbeit mit Ländern wie Serbien oder Albanien noch deutlich optimiert werden. Außerdem sei es notwendig, besser an die Gewinne der Banden heranzukommen. Deshalb werde man, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, zügig neue Maßnahmen gegen Geldwäsche und zur Vermögensabschöpfung angehen, versprach der Innenminister.