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Rasanter Beziehungswandel

Das Verhältnis zu Indonesien und anderen aufstrebenden Mächten wandelt sich rasant. Die traditionelle Geber-Empfänger-Beziehung ist passé. Die Asiaten wollen Partner auf Augenhöhe sein. Vor allem Wirtschaftspartner, und das ist knallhartes Geschäft. Wer die besseren Preise oder das bessere Produkt hat, macht das Rennen.

Ist zu befürchten, dass die Asiaten ihr Augenmerk von Europa weg auf die eigene Region lenken? "Wenn wir uns nicht neu erfinden, ja", sagt Westerwelle klipp und klar. Dazu gehört auch neues Denken in den strategischen Beziehungen.

Deshalb ist Westerwelle zum dritten Mal in zwölf Monaten in Südostasien. Er spricht von neuen Gestaltungsmächten, da müsse Deutschland am Ball bleiben. Er lobt die Philippinen, zeigt den Schulterschluss mit Singapur, umgarnt die Indonesier. Indonesien gehört schon zu den 20 wichtigsten Volkswirtschaften der Welt (G20). Die Wirtschaft brummt.

Bis 2030 könnte es Deutschland als Wirtschaftsmacht überholen, meint die Denkfabrik McKinsey Global Institut. Handelsminister Gita Wirjawan legt in Jakarta die Zahlen auf den Tisch: in 20 Jahren ein Bruttoinlandsprodukt von sechs bis sieben Billionen US-Dollar - schon heute 250 Millionen Menschen, die mit wachsender Kaufkraft Konsumgüter verlangen. "Das ist die Zukunft!" ruft er vor einer deutschen Wirtschaftsdelegation in den Saal. Dagegen hängt das deutsch-indonesische Abkommen über die Entwicklungshilfe, die offiziell "finanzielle Zusammenarbeit" heißt, seit zwei Jahren in der Schwebe.

EU verliert an Bedeutung

Deutschland hat viele Projektideen. Über Jahrzehnte sind dadurch wertvolle Kanäle zur indonesischen Regierung entstanden, die man nicht missen möchte. Doch gibt es bei der Unterzeichnung immer wieder Verzögerungen. Jakarta ziert sich. "Die Beziehungen ändern sich, das muss Deutschland akzeptieren", sagt Monica Wihardja, Wirtschaftsprofessorin an der "Universität von Indonesien". Jakarta habe genügend Geld, um seine Entwicklung voranzutreiben. Damit ändere sich auch das Verhältnis zu den traditionellen Geberländern.

"Es ist ein Paradigmenwechsel im Gange, in Richtung Asien", sagt Yose Rizal, Leiter der Wirtschaftsabteilung am Zentrum für strategische und Internationale Studien in Jakarta. "Die EU ist nicht mehr so wichtig wie Asien, das ist einfach näher." "Wir brauchen kein Geld, sondern Knowhow, Technologietransfer aus Europa", sagt er.

Für Wihardja heißt das: "Statt Fisch zu verteilen besser Netze ausgeben." Zwar betont Westerwelle in Jakarta: "Uns verbindet viel mehr als Wirtschaft und Handel", aber dann reden er und die Indonesier doch praktisch nur von Wirtschaftsbeziehungen.