Vor fast zehn Jahren begann für Andreas Rex ein neues Leben. Der 45-jährige Brandenburger ist ein Auswanderer. „Wir hatten die Nase voll. Die Menschen, die hatten sich nach der Wende so verändert“ , begründet er heute seinen Schritt. Der Gas tronom gab einen Gasthof in der Nähe von Frankfurt (Oder) auf und ging mit seiner Familie nach Norwegen. Im Jahr 2007 kehrten laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg rund 8400 Menschen der Mark den Rücken und zogen ins Ausland. Viele Auswanderer haben berufliche Gründe, Deutschland zu verlassen, wollen aber auch ihr Leben verändern.
Rex zog 1999 nach Skandinavien, seine Frau und die beiden Kinder folgten im Frühjahr 2000. In Norwegen habe er sofort Arbeit in seinem Beruf gefunden, sagt der Brandenburger. „Auch die Sprache habe ich ohne Probleme gelernt.“ Der Gastwirt zeigt sich überzeugt: „Wenn der Wille da ist, klappt das auch.“
Der Schritt ins Ausland will gut vorbereitet sein, betont die Leiterin der Berliner Beratungsstelle des katholischen Raphaels-Werkes, Christina Busch. Die Organisation berät und begleitet seit 1871 Auswanderer, Menschen, die im Ausland tätig sind, Flüchtlinge, binationale Paare - und auch Rückkehrer.
Busch zufolge kümmert sich die Beratungsstelle in der Hauptstadt jährlich um bis zu 1000 Menschen, vorwiegend aus Brandenburg und Berlin. Für die Auswanderung gebe es nie nur ein Motiv, erläutert sie. Es gehe um berufliche Perspektiven, um Lebensqualität, eine bessere Bildung für die Kinder. Die Auswanderer ziehe es nach Skandinavien, Großbritannien oder in die Schweiz sowie in die „klassischen Auswanderungsländer“ Australien, Neuseeland und Kanada.
Auswanderungswillige müssten sich laut Busch zum Beispiel, wenn sie sich außerhalb der Europäischen Union niederlassen, um Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis sowie um Visabestimmungen kümmern, in jedem Fall aber um die Arbeitsmarkt- und Bildungssituation sowie die Kultur im Zielland. „Man muss ja nicht in jedes Fettnäpfchen treten.“ Die Vorbereitungszeit dauere in der Regel ein bis zwei Jahre. „Seit fünf Jahren steigt das Interesse, den Schritt ins Ausland zu wagen“ , hat Christina Busch beobachtet.
Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit hat 2007 nach eigenen Angaben 380 Fach- und Führungskräfte aus Brandenburg ins Ausland vermittelt. In Sachsen waren es im ersten Halbjahr 2008 insgesamt 609 Arbeitsuchende. „Stationen im Ausland gehören zunehmend zum Anforderungsprofil von Fach- und Führungskräften“ , sagt Sachsens Wirtschaftsstaatssekretär Hartmut Mangold. Die IHK Dresden steht dem Auswanderungstrend dagegen eher kritisch gegenüber. „Es wird in Sachsen in absehbarer Zeit zu einem Mangel an qualifizierten Fachkräften kommen, vor allem in der Metall- und Elek trobranche“ , so Sprecher Lars Fiehler. Ziel sei es, gut ausgebildete Arbeitnehmer in der Region zu halten.
Die Cottbuser Agentur für Arbeit berichtet von drei Maurern und Zimmerleuten, die im Jahr 2004 nach Frankreich gegangen seien. „In Frankreich gab es damals wegen günstiger Steuern einen Bauboom, sodass die Bauunternehmen auch in Deutschland Arbeitskräfte suchten“ , sagt Agentur-Mitarbeiter Roland Schneidereit. Zwei der Männer seien aber nach wenigen Monaten in die Niederlausitz zurückgekommen. Der dritte habe es fast vier Jahre in Frankreich ausgehalten und sei dann aus familiären Gründen heimgekehrt.
Über eine Rückkehr denkt der Brandenburger Andreas Rex dagegen nicht nach. Er sei ohne Probleme in Norwegen aufgenommen worden. „Es gefällt uns gut. Wir haben keine Sehnsucht nach Deutschland. Wir hätten diesen Schritt früher machen sollen.“ (dpa/das)