Ausgerechnet André Niklaus, der „Spaßvogel vom Dienst“ im deutschen Zehnkampf-Team, fehlte bei der ausgelassenen Feier „in einem respektablen Club“ (Abele) von Osaka. Dabei hatte der WM-Fünfte aus Berlin sehr wohl etwas zu feiern, doch Niklaus quälten Magenkrämpfe.

Den zweiten Teil des Wortes Zehn-Kampf hatten die drei Deutschen bei der 30-stündigen Schwerstarbeit im Nagai-Stadion wörtlich genommen. Der Lohn war „eine ganz gute Teamleistung“, wie Niklaus bescheiden hervorhob. Als bester Deutscher landete der Hallen-Weltmeister mit persönlicher Bestleistung von 8371 Punkten auf dem fünften Platz. Vor zwei Jahren war er in Helsinki Vierter geworden. „Es war mehr drin“, gab Sportsoldat Niklaus zu, der beim Berliner ISTAF am 16. September wieder in seiner Lieblingsdisziplin Stabhochsprung antreten will.

Während Abele (Ulm) mit 8243 Zählern als Neunter sichtlich zufrieden war, landete Norman Müller aus Halle/Saale abgeschlagen mit 7344 Punkten auf dem 22. Rang und weinte bittere Tränen. Der 22-Jährige musste all seine Hoffnungen auf eine Top-Ten-Platzierung nach einem „Salto nullo“ bei 4,60 Meter im Stabhochsprung begraben. Aber er machte weiter. „Das nennt man Charakter“, lobte Eike Emrich, Vizepräsident Leistungssport im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV).

„Wir sind an der Tür zur Weltklasse angekommen“, befand Paul Meier, 1993 WM-Dritter und jetzt Präsident des Zehnkampf-Teams, „die Jungs haben ungeachtet des Missgeschicks von Norman eine tolle WM hingelegt. Aber um durch die Tür gehen zu können, müssen wir neue Potenziale erschließen“. Meier sieht den Schlüssel zum Erfolg im Schnelligkeitsbereich. „Wenn wir hier konsequent arbeiten, sind auch die gut 200 Punkte, die uns diesmal von einem Medaillenrang getrennt haben, aufzuholen.“

Während die deutschen Allrounder noch vor der Pforte stehen, fühlte sich Roman Sebrle wie im siebten Himmel. Der 32 Jahre alte Tscheche ist Olympiasieger, Weltrekordler und Europameister. Nach fünf vergeblichen Anläufen hat sich König Roman I. nun auch zum WM-Gold gezittert. Und das mit dem knappsten Abstand in der Olympia- und WM-Geschichte: Nur 32 Punkte lag Sebrle (8676) am Ende vor dem Sensations-Zweiten Maurice Smith aus Jamaika.

„Nach dem Stabhochsprung dachte ich schon, der Ofen ist aus und du hast wieder nur Silber“, verriet Sebrle, für den der erste Weltmeistertitel wie ein Befreiungsschlag gewirkt haben muss. „Nun habe ich eine komplette Sammlung von Medaillen und Titeln - aber meine Motivation ist immer noch da.“ Dass nicht nur der Zweite im Hochleistungssport immer der erste Verlierer ist, hatte diesmal auch Dimitri Karpow als Dritter erfahren: Auf der Pressekonferenz wurde dem Kasachen keine einzige Frage gestellt.