Die Konjunkturflaute zehrt auch am Technologiestandort Deutschland. Zum einen drohen die Unternehmen ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) zurückzu- fahren. Andererseits machen sich aber auch qualitative Defizite im Bildungswesen bemerkbar, die mit einem Mangel an hochwertig ausgebildeten Fachkräften verbunden sind.

Unerfreuliche Prognosen
Nach wie vor können sich die Deutschen mit ihrem Know-how in der Welt sehen lassen. Spitzenpositionen bei den Patentanmeldungen und im Technologieexport dürfen allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Bundesrepublik gefährdet ist.
Zu den Parade-Disziplinen gehört zweifellos der Automobilsektor, der allein ein Drittel unserer FuE-Kapazitäten bindet. Bei der Chemie und im Maschinenbau hat die Bundesrepublik dagegen an Boden eingebüßt.
Ein Trend, der sich noch verstärken könnte. "Die technologische Leistungsfähigkeit für die Zukunft verheißt nichts Gutes", meinte Harald Legler vom Niedersächsischen Institut für Wirtschaftsforschung (NIW). Der Wissenschaftler gehört zu den Autoren einer aktuellen Studie, die Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) gestern in Berlin vorstellte. "Die anhaltend schwache binnenwirtschaftliche Dynamik ist die Achillesferse", heißt es in dem 200 Seiten starken Bericht. Zwar ist die technologische Leistungfähigkeit immer noch gut, aber viele andere Länder sind mittlerweile besser geworden.
Neben dem knappen Angebot an hochqualifiziertem Personal machen die Wissenschaftler die "über einen längeren Zeitraum hinweg verhaltene Neigung zu Zukunftsinsvestitionen" für diese Entwicklung verantwortlich. Waren die Kapazitäten für Forschung und Entwicklung im Jahr 2001 um mehr als vier Prozent angestiegen, so planten die Unternehmen für 2002 nur noch einen Investitionszuwachs von 1,5 Prozent. Im laufenden Jahr dürfte dagegen "alles andere als ein Rückfahren der FuE-Budgets überraschen", konstatieren die Wissenschaftler. Dabei sei der deutsche Aufholprozess im Bereich der Spitzentechnologien in den vergangenen beiden Jahren ohnehin schon "erheblich ins Stocken geraten".
Das Bildungssystem wird in dem Bericht als entscheidende Voraussetzung für die technologische Leistungsfähigkeit angeführt. Und damit ist es nicht erst seit der Pisa-Studie ziemlich mies bestellt. Bereits in den späten 70er-Jahren setzte ein kontinuierlicher Rückgang technischer Ausbildungsberufe ein. In den naturwissenschaftlich-technischen Studiengängen erreichen inzwischen weniger als zwei Drittel der Studienanfänger einen Abschluss. Langfristig verschärft der demographisch bedingte Rückgang von Fachkräften das Problem. Die Neigung zu einem Technik-Studium ist hierzulande ohnehin schwach ausgeprägt. Während etwa in Frankreich oder Finnland zirka 14 von 1000 Erwerbspersonen diese Richtung einschlagen, sind es in Deutschland lediglich sieben. Andere Länder hätten ihr Ausbildungssystem "rechtzeitig auf die Erfordernisse der Wissenswirtschaft umgestellt", schrieben d ie Experten der Bildungsministerin ins Stammbuch.
Edelgard Bulmahn sah sich jedoch in der Richtigkeit ihrer Bildungs- und Forschungspolitik bestätigt. Und in der Tat kann die Ministerin in den letzten vier Jahren mit einer deutlichen Steigerung ihres Etats (plus 25 Prozent) und dem aktuell geplanten Ausbau der Ganztagsschulen aufwarten.

Auch bei Flaute investieren
Ihr Appell an die Wirtschaft, auch in konjunkturschwachen Zeiten nicht bei den Investitionen für Forschung und Entwicklung zu knausern, hat allerdings einen Schönheitsfehler: Entgegen seiner ursprünglichen Absicht wird auch der Bund in diesem Jahr die entsprechenden Ausgaben um fast 41 Millionen Euro zurückfahren.