Wie Hunderte ihrer Altersgenossen stellt sich Felana dem täglichen Überlebenskampf in der Metropole der tropischen Gewürzinsel. Außerhalb der Zentren, in den abgelegenen kleinen Dörfern, ist Armut überall gegenwärtig: zerschlissene Kleidung, dünne Gestalten, einfache Lehmhäuser und . . . Kinder, wohin der Blick schweift.
"Kinder sind Reichtum. Wer keinen Nachwuchs hat, ist im Alter einsam", heißt es bei den Madagassen. Den enormen Preissteigerungen vor allem fürs Grundnahrungsmittel Reis und alle anderen Dinge des täglichen Bedarfs stehen nur geringe Erhöhungen der Einnahmen gegenüber. Die Leidtragenden sind oft die Kleinsten. Mädchen und Jungen müssen Vieh hüten oder auf jüngere Geschwister aufpassen, Trinkwasser schleppen, Brennholz suchen, im Reisfeld arbeiten. Für den Schulbesuch bleibt da oft keine Zeit und vor allem kein Geld. Die Regierung will zwar bis 2015 alle Kinder alphabetisieren, doch die Einschulungsquote liegt bisher gerade mal bei etwa 50 Prozent.
Aber es gibt Lichtblicke in dieser prekären Situation: Überaus erfolgreich ist beispielsweise das 1996 vom Elsässer Jesuitenpater André Boltz gegründete Projekt "Vozama" - ein Kürzel, das für den Satz "Retten wir die madagassischen Kinder" steht. In knapp 750 Dörfern zwischen den Städten Ambositra und Fianarantsoa im Hochland wurden schon mehr als 20 000 Kinder auf den Weg zur Schule gebracht. Im aktuellen Schuljahr sind es 10 800, die nach zweijähriger Betreuung eine der öffentlichen oder privaten Schulen besuchen sollen. Beispielhaft für die gute Arbeit von "Vozama" ist der 400-Seelen-Ort Ankarandoha im Vakoa-Tal.

Zwei Stunden zu Fuß zur Schule
Dort betreut die 34-jährige Marie Claire seit sechs Jahren den Vorschulposten mit derzeit 13 Fünf- und Sechsjährigen, davon acht im ersten und fünf im zweiten Jahr. Die Mutter von drei Kindern hat früher im nahen Ort Alakamisy die öffentliche Grundschule und dann noch vier Jahre eine weiterführende Schule besucht. Pro Tag musste sie zwei Stunden Fußweg auf sich nehmen. Sie ist in ihrem Heimatdorf geblieben, hat Jean Louis geheiratet, der als Schulinspektor regelmäßig 23 Stationen von "Vozama" aufsucht und früher als Pädagoge an einer katholischen Einrichtung arbeitete.
Der Elan der Eheleute und der Wille, ihr Dorf voranzubringen, hat eine kleine Lawine ausgelöst. "Früher war hier das Zusammenleben kompliziert, es gab viel Streit. Mit "Vozama" hat der Fortschritt Einzug gehalten. Wir haben den Zufahrtsweg zu den Häusern in Eigenregie ausgebaut, pflanzen Erdnüsse an, deren Verkaufserlös für die Schule bestimmt ist, und erstmals gehen jetzt alle Kinder des Ortes - immerhin rund 50 Prozent der Bewohner zur Schule", gerät der 62-Jährige Jean Louis beinahe ins Schwärmen.

Schule macht auch Dorf
Ordensbruder Claude Fritz aus dem Elsass - seit Jahren die gute Seele von "Vozama" - ist stolz, das sein Slogan "Dorf macht Schule - Schule macht Dorf" auf solch fruchtbaren Boden fällt. Fritz: "Jetzt wollen die Bürger sogar eine Art Verein gründen, um Zuschüsse für Saatgut oder bessere Anbaumethoden zu erhalten."
Die Madagassen bekommen glänzende Augen, wenn Claude Fritz von den Sternsingern in farbenprächtigen Gewändern in Deutschland erzählt, die von Haus zu Haus gehen, die Gebäude und deren Bewohner segnen und um Spenden für "Vozama" und andere Projekte rund um den Globus bitten. Guten Anklang findet auch die deutsch-madagassische Idee, über Grenzen hinweg einen symbolischen Wald der Hoffnung zu gestalten. Etliche aus Holz geschnitzte Bäumchen werden von "Vozama"-Kindern mit Motiven aus ihrem Umfeld bemalt und dann zurück nach Deutschland geschickt.