Es ist eine heikle Mission in Krisenzeiten für das Goethe-Institut - die gesamtrussischen Tage der Deutschlehrer in Moskau, um den Sprachschwund im Riesenreich aufzuhalten. Weil Deutschland und Russland im Streit um die Zukunft der Ukraine über Kreuz liegen, geraten nun zunehmend auch die kulturellen Beziehungen ins politische Spannungsfeld. Den Deutschlehrern komme in dieser Lage eine besondere Stellung zu, weil sie oft die ersten Vermittler von Kultur seien, sagt der Generalsekretär des Goethe-Instituts, Johannes Ebert, der selbst lange in Moskau lebte.

Das Institut ist besorgt über den schwindenden Einfluss des Deutschen in Russland, das lange Zeit eine Hochburg für die Sprache war. Aber die Zahlen der Lehrer und Lernenden schrumpfen. Das Treffen der Lehrer soll ein Höhepunkt im Jahr der deutschen Sprache in Russland sein - doch es fällt in die schwerste Krise seit Ende des Kalten Krieges.

Sprachenlernen sei wichtig für gegenseitiges Verständnis, mahnt der deutsche Botschafter Rüdiger Freiherr von Fritsch. "Durch die Sprache gucken wir dem anderen in die Seele."

Deutlich wird aber auch, dass Verstehen nicht Verständnis bedeutet: Kremlchef Wladimir Putin spricht zwar Deutsch und Kanzlerin Angela Merkel Russisch - Konflikte gibt es trotzdem. Putins Beauftragter für interkulturelle Zusammenarbeit, Michail Schwydkoj, bedauert auf dem Podium, dass die beiden in "fundamentalen Fragen der Weltordnung nicht übereinstimmen". Ja, Deutschland sei "Schlüsselpartner" für Russland, die Länder seien wie "Verwandte" verbunden, meint er. Schwydkoj erinnert an die Zarenzeiten, als Russland unter der deutschstämmigen Katharina der Großen blühte.

Mehr als 1000 Jahre alt seien die Beziehungen zwischen Deutschen und Russen, zwei Weltkriege hätten sie überwunden, betont Schwydkoj. Doch im Konflikt um die Ukraine verfolgt Russland nun eigene Interessen.

Ob Deutschland in der Krise Russland verlieren könnte? Schon jetzt orientiere sich sein Land nach Osten - vor allem nach China -, sagt Schwydkoj. Auch Spanisch liege im Trend, weil in der Krise zwischen der Europäischen Union und Russland die Kontakte zu Südamerika immer wichtiger würden. Höflich unterstützt er zwar die Versuche, verlorenes Vertrauen zwischen Russen und Deutschen wieder aufzubauen. Die Russen sehen aber den Westen am Zuge.

Prognosen, wie es weiter geht im deutsch-russischen Verhältnis, wagt keiner. Es gehe darum, einen "nachhaltigen Schaden" zu verhindern und den Dialog der Zivilgesellschaft zu erhalten, sagt Andreas Meitzner vom Auswärtigen Amt in Berlin.