Vor der libanesischen Küste könnte sie schon bald ein wichtiger Friedenswächter sein: Die deutsche Marine hält sich für die UN-Mission bereit. 50 Jahre Manöver in der Ostsee könnten sich dann auszahlen. "Wir haben für Einsätze in flachen Gewässern Fähigkeiten entwickelt, die andere nicht haben", sagt Marine-Inspekteur Wolfgang Nolting. Rasch schiebt er nach, dass das nur eine allgemeine Bemerkung sei - das Bundeskabinett will erst morgen offiziell beraten, ob sich Deutschland am UN-Einsatz beteiligt.
Wann immer deutsche Politiker derzeit vage darüber sprechen, ist stets von angebotenen "Fähigkeiten" die Rede, nicht von den insgesamt 13 000 Männern und Frauen in der Flotte. Wer unter den Marine-Berufssoldaten herumfragt, bekommt dabei stets die freundliche und leicht abwiegelnde Antwort: "Der Einsatz ist noch nicht beschlossen."

"Brauchen eine Entscheidung"
Manche deuten aber an, dass der zähe Entscheidungsprozess auf die Nerven geht. "Wir brauchen endlich eine Entscheidung", heißt es dann. Ein anderer sagt: "Natürlich ist das Thema in der Familie." Dann folgt kurzes Schweigen. Doch fällt die Sachlichkeit der Soldaten auf. "Die Marine zeichnet sich seit Jahren durch Unaufgeregtheit aus", sagt Vize-Admiral Nolting. "Wir mussten das allerdings auch erst lernen."
Seit Längerem geht es auch bei der Marine um einen Aufgabenwandel: Kampf gegen den Terror statt Verteidigung gegen den Warschauer Pakt. Deutschland verfügt zum Beispiel über die weltweit modernsten konventionellen U-Boote. Sie sollen aber in der Strategie nicht mehr Gegner torpedieren, sondern fast geräuschlos in Küstennähe aufklären. Minenleger sammeln nur noch Sprengkörper ein und fahren Patrouille.
Im Juni hat die Marine einen langjährigen Umbau beendet, die gravierendste Reform seit der Neugründung 1956. Die Kräfte wurden dabei in zwei Einsatz-Flottillen gebündelt. Die Flotte einschließlich Marinefliegern und kleineren Verbänden macht drei Viertel der rund 17 000 Marinesoldaten aus. Kurz nach der Wiedervereinigung hatte die Marine noch mehr als doppelt so viele Menschen unter ihrem Befehl.
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) lobte soeben auf seiner Sommerreise, dass der Umbau gelungen sei: "Unsere Marine ist erstens gut ausgebildet, zweitens gut ausgerüstet und vor allem motiviert." An der Einsatzfähigkeit gebe es keine Zweifel. Zugleich erwähnte Jung, dass es für Auslandseinsätze zusätzliche Etats gibt.
Das Geld ist bitter nötig. Denn die Marine ist für UN-Einsätze beliebt und hat auch bei der Nato-Operation vor dem Horn von Afrika seit Jahren viel Gewicht. Mit tagtäglich 500 Soldaten im Ausland stellt sie im Vergleich zu Heer und Luftwaffe der Bundeswehr überproportional vie le Teilnehmer.

Je Schiffstyp drei Stück nötig
Dennoch stoße jedes Engagement irgendwann an Grenzen, schildert der Vize-Admiral: "Die Frage ist aber nicht, an wie vielen Orten man gleichzeitig ist. Entscheidend ist: Wie lange kann man durchhalten?" Denn für jeden längeren Einsatz seien von jedem eingesetzten Schiffstyp drei Exemplare nötig: "Ein Schiff vor Ort, eins für die Ausbildung und eins in der Werft." Von den riesigen Einsatzgruppenversorgern wie der "Frankfurt am Main", die für den humanitären Einsatz vor der Libanons Küste als Lazarettschiff wichtig zu werden scheint, hat die Marine aber nur zwei.