Bei den Arbeitskosten – die sich aus Bruttolöhnen und Lohnnebenkosten zusammensetzen – liegt Deutschland mit 29,10 Euro pro Stunde weiter im oberen Mittelfeld aller EU-Staaten. Der Abstand zu den Spitzenreitern Belgien (38,20 Euro), Dänemark (37,60 Euro) und Schweden (36,00 Euro) hat sich im Jahr 2010 aber vergrößert.

Dies habe zu einer Rekordentwicklung bei den deutschen Exporten beigetragen, gleichzeitig aber auch das wirtschaftliche Ungleichgewicht in der Euro-Zone gefördert, heißt es in einer Analyse des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie (IMK).

Deutschland könne seine Leistungsbilanzüberschüsse nicht immer weiter steigern, warnte IMK-Direktor Gustav A. Horn. „Denn das geht in einer Währungsunion zulasten seiner Nachbarn, die wichtige Handelspartner sind.“ Die Fixierung vieler Arbeitgeber auf geringe Lohnkosten sei daher „ein Rezept mit schweren Nebenwirkungen“.

Der Arbeitgeberverband BDA bezeichnete die Studie als grob irreführend. „Deutschland bleibt weiter ein teurer Arbeitsplatzstandort“, betonte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Die durchschnittlichen Arbeitskosten von mehr als 29 Euro lägen ein Drittel über dem EU-Durchschnitt.

Die Linke im Bundestag hält hingegen einen Kurswechsel für erforderlich. Mit Leiharbeit, Minijobs und dem Verzicht auf einen gesetzlichen Mindestlohn hätten die Unternehmen alle Werkzeuge für Lohndumping in der Hand, kritisierte deren arbeitsmarktpolitische Sprecherin, Sabine Zimmermann. Hintergrund Seite 2