| 02:33 Uhr

Deutsche klauen die meisten Autos

2015 ist die Zahl der Autodiebstähle in Deutschland gestiegen – aber in Brandenburg und Sachsen wurden weniger Autos gestohlen.
2015 ist die Zahl der Autodiebstähle in Deutschland gestiegen – aber in Brandenburg und Sachsen wurden weniger Autos gestohlen. FOTO: Fotolia/animaflora
Deutschland/Region. 18 659-mal haben Autobesitzer 2015 anstatt ihres Wagens nur noch einen leeren Platz vorgefunden. Laut des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft ist das ein Anstieg um vier Prozent, verglichen mit dem Vorjahr. Lydia Schauff

Schuld am Verschwinden der Autos sind aber nicht, wie oft behauptet, hauptsächlich Polen. Aus Zahlen des Bundeskriminalamts (BKA) geht hervor, dass Deutsche Spitzenreiter bei Kfz-Diebstahl, -Hehlerei und -Unterschlagung sind. Von 17 701 Tatverdächtigen waren 6664 nichtdeutsch, davon 1737 polnische Staatsbürger.

Entgegen dem bundesweiten Trend sind die Zahlen von Kfz-Diebstählen in Brandenburg und Sachsen sogar zurückgegangen. Wurden in Brandenburg im Jahr 2014 noch 1371 Kfz dauerhaft entwendet, konnten also nicht wieder ausfindig gemacht werden, waren es 2015 noch 1267; das ist ein Minus von 7,6 Prozent.

In Sachsen beträgt der Rückgang sogar 9,8 Prozent: 2014 wurden 1599 Autos dauerhaft entwendet, 2015 waren es 1443. In Sachsen setzt sich der Abwärtstrend im Bereich Autodiebstahl auch 2016 fort: "Die Zahlen sind weiterhin rückläufig", heißt es aus der Pressestelle des sächsischen Landeskriminalamts. Endgültige Zahlen liefert allerdings erst die Kriminalstatistik 2016, die der sächsische Innenminister noch im März vorstellen will.

Hohe Belastungszahlen in Ostdeutschland

Die Zahlen für Brandenburg gibt es schon: 2016 wurden seit 2014 erstmals wieder mehr Autos gestohlen. Die Zahl ist von 2015 auf 2016 um 11,2 Prozent gestiegen, 2861 Fällen im vergangenen Jahr stehen 2573 Fälle im Jahr 2015 gegenüber. Warum? "Darauf gibt es keine schlüssige Antwort", sagt Ingo Decker, Sprecher des brandenburgischen Innenministeriums. "Die Region im Grenzgebiet ist ein Angriffspunkt. Wir hatten in den letzten Jahren gute Erfolge. Es bleibt ein Problem. Wir müssen mehr tun oder bestimmte Dinge anders machen", so Decker weiter. Auch das Bundeskriminalamt konstatiert in seinem Bericht zur Kfz-Kriminalität in Deutschland: "Die Belastungszahlen (…) verdeutlichen eine unverändert deutlich höhere Belastung der östlichen Länder." Anders ausgedrückt: Wird ein Auto in Brandenburg oder Sachsen gestohlen, dann bleibt es in der Regel verschwunden.

Dass der Osten Deutschlands bei Autodiebstählen ganz vorne mit dabei ist, zeigt auch ein Blick auf die Top Ten der Autoklau-Städte. Berlin führt das Feld mit großem Abstand, mehr als 3000 Autodiebstähle in 2015, an. Es folgen Hamburg, Hannover, Leipzig und Dresden.

Ein Schritt im Kampf gegen die Grenzkriminalität ist ein Lehrgang im Rahmen des Projektes "Im Tandem gegen Grenzkriminalität", der am Montag, 20. März, in Frankfurt (Oder) beginnt. Dort bilden sich 21 deutsche und polnische Polizisten in Theorie und Praxis fort, um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu intensivieren.

Diebstahl hochpreisiger Autos gestiegen

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft verzeichnet bei den Autodiebstählen 2015 noch einen anderen Trend. Neben einem leichten Anstieg der Diebstahlszahlen hat der wirtschaftliche Schaden, der 2015 durch Autoklau entstanden ist, eine neue Rekordhöhe erreicht. Er wuchs auf über 291 Millionen an; das sind knapp 30 Millionen mehr als im Jahr zuvor. Eine Rolle könnte dabei spielen, dass Diebe laut GDV besonders hochpreisige Modelle bevorzugen, darunter Geländewagen wie Range Rover, Toyota Land Cruiser oder Audi Q7.

Mit Blick auf die absoluten Zahlen ist Volkswagen (5032) die bei Dieben beliebteste Marke, gefolgt von Audi (3192) und BMW (2760, inklusive Mini).

Aber auch an ausländischen Modellen finden Diebe zunehmend Gefallen. Bei Mazda gab es 2015 einen Anstieg um satte 71,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 611 Stück "kamen abhanden". Die Zahlen für 2016 gibt der GDV im Herbst bekannt.