"11 Tore da muss man zufrieden sein. Mit dem Erfolg konnten wir viel Selbstbewusstsein tanken.", sagte Neid gestern nach 11:0 (5:0)-Kantersieg gegen Argentinien im Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft in China.
Vor 28 098 Zuschauern im voll besetzten Hongkou-Stadion von Shanghai spielte der Welt- und Europameister mit den bedauernswerten Argentinierinnen Katz und Maus. Zwar gab erst ein Eigentor der schwachen Torfrau Vanina Correa (12.), die eine von Melanie Behringer getretene Ecke ins eigene Tor bugsierte, das Startsignal. Doch was dann folgte, war eine Demonstration moderner Fußball-Kunst. „Wir haben uns nach etwas nervösem Beginn schnell gefunden und dann nicht mehr locker gelassen. Wir haben nie aufgehört, nach vorn zu spielen“, sagte Neid. Vor allem über das konsequente Ausnutzen der Torchancen – zuletzt ein Manko der DFB-Elf – freute sich die 43-Jährige. DFB-Präsident Theo Zwanziger und Franz Beckenbauer, der eigens direkt von der U 17-WM in Korea nach China weitergereist war, konnten Tore der spielfreudigen deutschen Elf fast im Minutentakt bejubeln. Kerstin Garefrekes (17.) mit einem Volleyschuss nach einem 40-Meter-Traumpass von Kerstin Stegemann sowie Melanie Behringer (24.) und Renate Lingor (57.) beteiligten sich am munteren Toreschießen. Die Frankfurterinnen Birgit Prinz (29./45.+1/59.) und Sandra Smisek (57./70./79.) trafen sogar jeweils drei Mal. Das letzte Tor zum 11:0-Endstand steuerte wiederum Argentiniens Torhüterin per Eigentor bei.
Prinz liegt mit nunmehr 12 WM-Toren sogar gleichauf mit der US-Legende Michelle Akers. Doch wie immer interessieren sie solche Statistiken nicht: „Ich finde, Argentinien hat uns das Toreschießen ein wenig zu leicht gemacht“, sagte die DFB-Spielführerin nach dem Traumstart auf dem Weg zur angepeilten Titelverteidigung.
Ihren bislang höchsten Sieg hatten die deutschen Frauen bei der WM 2003 beim 7:1 im Viertelfinale gegen Russland geschafft. Zwei Auswahlteams waren zuvor bereits 8:0-Erfolge gelungen: Schweden deklassierte Japan bei der WM-Premiere 1991 ebenso wie Norwegen das Team von Nigeria vier Jahre später. Doch alle wissen das Ergebnis gegen einen sehr schwachen Gegner auch richtig einzuordnen. „Wir dürfen das Ergebnis nicht überbewerten“, sagte Garefrekes und warnte: „Es kommen noch Gegner von anderem Kaliber.“ Auch Zwanziger mahnte trotz aller Freude über den schwungvollen Auftakt, „der mir und dem Franz Spaß gemacht hat“, vor übertriebener Euphorie. „Ich gehe davon aus, dass wir die Vorrunde überstehen. Aber das Viertelfinale wird der Prüfstein. Wenn wir das überstehen, ist alles möglich.“

Zur Sache Die Statistik
Deutschland – Argentinien 11:0 (5:0)
Deutschland: Angerer – Stegemann, Hingst, Minnert, Bresonik – Garefrekes (84. Mittag), Laudehr (74. Bartusiak), Lingor, Behringer (68. Wimbersky) – Smisek, Prinz.
Argentinien: Correa – Chavez, Gonzalez, Barbitta, Cotelo – Quinones – Huber (74. Mandrile), Vallejos, Gomez (67. Pereyra) – Potassa, Almeida (53. Manicler).
Schiedsrichterin: Tammy Ogston (Australien); Zuschauer: 29 000; Tore: 1:0 Correa (12./Eigentor), 2:0 Garefrekes (17.), 3:0 Behringer (24.), 4:0 Prinz (29.), 5:0 Prinz (45.+1), 6:0 Lingor (51.), 7:0 Smisek (57.), 8:0 Prinz (59.), 9:0 Smisek (70.), 10:0 Smisek (79.), 11:0 Correa (90.+1/Eigentor); Gelbe Karten: Laudehr, Bartusiak / Quinones, Gonzalez, Chavez, Gomez.