Damit ist Deutschland auch in den Entscheidungsprozess über eine Militäraktion gegen Irak direkt einbezogen.
Schon vor ihrem Eintritt in den Club der mächtigsten UN-Mitglieder werden die Deutschen von der US-Regierung unter Druck gesetzt. Sollte Deutschland im Rat gegen eine Militärintervention in Irak stimmen, wäre dies "katastrophal für die deutsch-amerikanischen Beziehungen", warnte etwa der einflussreiche Pentagon-Berater Richard Perle in der Zeitung "Die Welt". Die harten Worte verfehlten anscheinend nicht ihre Wirkung: Am Samstag schloss Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) eine Zustimmung Deutschlands im UN-Sicherheitsrat zu einem Irak-Krieg nicht aus. Offiziell hat sich die Bundesregierung noch nicht festgelegt, wie sie im Fall der Fälle über einen Feldzug gegen Irak abstimmen würde.
Wenn ein Staat bei der Uno einem Militäreinsatz zustimme, sage er damit nicht auch automatisch die Entsendung eigener Truppen zu, wird in UN-Kreisen in New York hervorgehoben. So habe beispielsweise China noch nie einen Blauhelm-Soldat gestellt. Dennoch dürfte eine Abstimmung über einen Irak-Krieg die Bundesregierung in die Bredouille bringen. Denn eine deutsche Zustimmung zum Krieg bei gleichzeitiger Verweigerung von Soldaten dürfte den USA kaum leichter zu vermitteln sein als ein Nein-Votum.
Vielleicht bleibt der Bundesregierung die heikle Abstimmung aber auch erspart. Denn schon die UN-Resolution 1441 vom November droht Saddam Hussein mit "ernsthafen Konsequenzen", wenn er die UN-Auflagen verletzt. Die Resolution sagt zwar auch, dass sich der Sicherheitsrat vor einem Militäreinsatz erneut damit befassen müsste. Die Resolution sagt aber nicht, dass für einen Krieg eine zweite Resolution nötig ist. Sollte sich abzeichnen, dass im Rat ein Votum für den Krieg nicht zu Stande kommt, könnten sich die USA also auf die Resolution berufen - eine Abstimmung entfiele.
All diese Szenarien bereiten deutschen Diplomaten Kopfzerbrechen. Eine weitere Komplikation ergibt sich dadurch, dass Deutschland im Februar turnusgemäß für einen Monat sogar den Vorsitz des Sicherheitsrats übernimmt und damit direkten Einfluss auf die Tagesordnung des höchsten UN-Gremiums gewinnt. Mit welchem Misstrauen die USA die deutsche UN-Diplomatie beäugen, wurde an dem Gerangel um den Vorsitz im Irak-Ausschuss sichtbar, der für die Überwachung der UN-Sanktionen zuständig ist. Das übliche Prozedere sieht vor, dass Deutschland diesen Posten von Norwegen übernimmt, dem Land, das es im Rat ablöst. Die USA wollten dies verhindern und machten sich hinter den Kulissen für Chile stark. Inzwischen soll sich Washington allerdings damit abgefunden haben, dass die Deutschen den Vorsitz übernehmen, wie in New York heißt. Auch den USA ist also offenbar nicht daran gelegen, den Sic herheitsrat zur Bühne eines neuen deutsch-amerikanischen Konflikts zumachen.