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| 02:47 Uhr

Deutsche beim Urlaub weltweit auf Platz 3

Urlaub ist die die schönste Jahreszeit, lautet eine Redewendung. Wer tariflich verdient, hat mehr freie Tage im Jahr.
Urlaub ist die die schönste Jahreszeit, lautet eine Redewendung. Wer tariflich verdient, hat mehr freie Tage im Jahr. FOTO: dpa
Auch wenn sich durch das miese Wetter vielerorts noch keine rechte Urlaubsstimmung einstellen mag – die schönsten Tage im Jahr kommen ganz bestimmt noch. Und wer einem Tarifvertrag unterliegt, kann sich dabei oft länger vom Arbeitsalltag erholen als Beschäftigte ohne Tarifbindung. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung der Dienstleistungsgewerkschaft verdi, die am Montag in Berlin veröffentlicht wurde. Stefan Vetter

Wie ist der Urlaubsanspruch geregelt?
Nach dem Bundesurlaubsgesetz muss ein Betrieb seinen Mitarbeitern mindestens vier Wochen Urlaub gewähren. Bezogen auf eine Sechs-Tage-Woche - der Samstag zählt als Werktag - sind es 24 Werktage im Jahr. In der Praxis legen die Tarifverträge aber oft deutlich mehr Urlaubstage fest.

Wer hat wie viel Urlaub?
Immerhin 72 Prozent der Bundesbürger haben Anspruch auf 25 bis 30 Tage Urlaub im Jahr. Zehn Prozent kommen sogar auf 31 Tage und mehr. Für durchschnittlich jeden achten Beschäftigten (13 Prozent) gilt dagegen nur der gesetzliche Anspruch von vier Wochen. In Ostdeutschland ist es sogar jeder fünfte. Ursache ist die unterschiedlich stark ausgeprägte Tarifbindung in Ost und West.

Wie steht es um die Tarifbindung?
Nach einer aktuellen Erhebung des wissenschaftlichen Instituts IAB der Bundesagentur für Arbeit galt 2012 nur noch für die Hälfte aller bundesweit Beschäftigten ein Branchentarifvertrag. Im Westen waren es 53 Prozent und im Osten lediglich 36 Prozent. Im Vergleich zu den 1990er-Jahren hat die allgemeine Tarifbindung deutlich abgenommen. 1996 arbeiteten noch 70 Prozent der Westdeutschen und 56 Prozent der Ostdeutschen zu entsprechenden Bedingungen. Allerdings gibt es auch indirekte Effekte: Jeder fünfte Beschäftigte im Westen und jeder Vierte im Osten arbeitet in einem Betrieb, der sich immerhin am Branchentarif orientiert. Für weitere sieben beziehungsweise zwölf Prozent gilt ein Haustarifvertrag.

Spielt die Tarifbindung auch beim Urlaubsgeld eine Rolle?
Auch für das Urlaubsgeld hat die Tarifbindung eine große Bedeutung. Derzeit bekommen 47 Prozent aller Beschäftigten eine entsprechende Zusatz-Zahlung von ihrem Arbeitgeber. Bei den Tarif-Beschäftigten sind es nach einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung 59 Prozent, bei den Arbeitnehmern ohne Tarifbindung dagegen nur 35 Prozent. Und wie schon beim Urlaub unterscheiden sich die alten und neuen Länder auch hier voneinander: Im Westen ist das Urlaubsgeld in aller Regel nicht nur höher als im Osten, es wird auch häufiger gewährt.

Sind die Deutschen tatsächlich, wie so oft behauptet, "Urlaubsweltmeister"?
Im internationalen Vergleich liegen die Bundesbürger beim Urlaubsanspruch zweifellos an der Spitze. Die US-Amerikaner zum Beispiel haben mit zwölf Tagen nur halb soviel Urlaub im Jahr. Die Iren müssen sich mit 20 Tagen begnügen. "Urlaubsweltmeister" sind allerdings die Schweden mit durchschnittlich 33 Tagen. Und auch die Niederländer liegen mit 31 Tagen im Jahr noch vor Deutschland.

Seit wann gibt es eigentlich ein Recht auf Urlaub?
Die erste tarifvertragliche Urlaubsreglung in Deutschland datiert aus dem Jahr 1903: Damals hatte der Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter drei (!) freie Tage erstritten. In der Weimarer Republik gab es bereits 8000 Tarifverträge, in denen auch ein bezahlter Urlaub geregelt wurde. Nach 1945 ist der Mindesturlaubs-Anspruch von zwölf Tagen im Osten beziehungsweise zwei Wochen im Westen auf einheitlich 24 Werktage im Jahr 1995 gestiegen.

Ist der Jahresurlaub auch heute noch ein Gegenstand von Tarifkämpfen?
Erst vor drei Monaten setzte die Gewerkschaft verdi für die Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst einen einheitlichen Urlaubsanspruch von 30 Tagen durch. Davor waren es 26 Tage. Ein ähnlicher Vorstoß von verdi ist bei der im Frühjahr 2014 anstehenden Tarifrunde für die Beschäftigten von Bund und Kommunen zu erwarten. Der geltende Urlaubsanspruch liegt dort bei 29 Tagen.