Seine brisante Botschaft hatte Jürgen Fitschen ausgerechnet zur Grünen Woche mitgebracht. Am Rande der weltgrößten Agrarmesse in Berlin sprachen internationale Experten und Politiker über Strategien, um die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung zu sichern.

Da verkündete der ebenfalls geladene Co-Chef der Deutschen Bank eine Unternehmensentscheidung in einer sensiblen Frage: Aller Proteste zum Trotz will Deutschlands Branchenprimus keineswegs auf das Geschäft mit globalen Finanzanlagen auf Lebensmittel verzichten. Dabei war der Druck für einen Ausstieg zuletzt immer größer geworden.

Dass die Deutsche Bank das umstrittene Engagement nicht nur leise verteidigen will, machte Fitschens prominenter Auftritt klar. "Wir haben alles, was wir an Informationen zu dem Thema bekommen konnten, untersucht", sagte der Manager am Samstag auf dem Presse-Podium nach einer Konferenz auf Einladung von Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU). Fazit der Prüfungen: Der Vorstand hat entschieden, dass die Bank "im Interesse ihrer Kunden weiterhin Finanzprodukte auf Agrarprodukte anbieten wird" - politisch ein ziemlicher Paukenschlag.

Denn Kritiker bis hinauf zu Bundespräsident Joachim Gauck drängen die Branche seit Längerem zum Verzicht auf Agrarspekulationen, die Mitursache für Hungerkrisen seien. Dabei geht es um Finanzprodukte, die auf dem Handel mit Rohstoffen wie Reis, Mais oder Soja basieren oder mit Wetten auf die Preisentwicklung von Grundnahrungsmitteln zu tun haben.

"Wenn schwankende Preise armen Menschen sprichwörtlich die Mittel zum Leben abschöpfen, ist Handeln nicht nur aus ethischer, sondern aus politischer und sozialer Notwendigkeit dringend geboten", mahnte das Staatsoberhaupt erst kurz vor Weihnachten.

Zu begrüßen sei deswegen, wenn deutsche Banken "entsprechend ausgelegte Fonds prüfen und hoffentlich zurückziehen". Da hatten einige Institute wie die Commerzbank oder die Dekabank den Ausstieg aus dem umstrittenen Geschäftsfeld bereits bekannt gegeben.

Dass die Deutsche Bank geradezu unter Erklärungsdruck geriet, reicht dabei noch in die Ära von Ex-Vorstandschef Josef Ackermann zurück. Nach einem Appell der Verbraucherorganisation Foodwatch, mit gutem Beispiel voranzugehen, hatte er 2011 öffentlich eine gründliche Prüfung zugesagt. Ackermanns Vorgabe: "Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen." Das Neugeschäft mit solchen Anlagen wurde im März 2012 sogar erst einmal ausgesetzt. Jetzt stellte Nachfolger Fitschen die Signale wieder auf Grün.

Wer einen Dominoeffekt in der Branche erwartet hatte, sieht sich also getäuscht. Wie die Deutsche Bank ist auch das Schwergewicht Allianz nach wie vor im Handel mit Agrarrohstoffen aktiv. Der Fonds "Allianz Global Agricultural Trends" konzentriert sich etwa auf Unternehmen, die direkt oder indirekt von Produktion, Lagerung und Transport von Agrarrohstoffen profitieren. "Anlageziel ist es, auf langfristige Sicht Kapitalwachstum zu erzielen", lautet die Werbung.