"Mir sind Fälle aus Finsterwalde, Doberlug-Kirchhain und Gransee bekannt", sagte der CDU-Verkehrspolitiker Rainer Genilke der RUNDSCHAU. Alle Agenturen hätten ein neues Vertragsangebot, aber zu deutlich schlechteren Konditionen erhalten. Dadurch werde der Fahrkartenverkauf in vielen Orten unrentabel.

"Mit den neuen Konditionen wird es kritisch", sagt etwa Sieglinde Ringmeier, die seit 2004 die DB-Agentur in Finsterwalde und seit 2008 die Agentur in Doberlug-Kirchhain betreibt, gegenüber der RUNDSCHAU. "Ob wir nächstes Jahr weiterbestehen können, entscheidet sich in den nächsten Wochen." Und die Agenturbesitzerin in Gransee und Fürstenberg, Ines Rolff, rechnet mit Umsatzeinbußen von 60 Prozent. Sollten die Agenturen ihren Verkauf einstellen, gäbe es vor Ort nur noch Fahrkartenautomaten.

"Aber viele, gerade ältere Menschen haben Probleme, sich mit den Geräten zurechtzufinden", so Genilke. Gerade Fahrgäste, die die Bahn nur selten benutzen, hätten Schwierigkeiten.

"Wenn das Land Brandenburg 400 Millionen Euro im Jahr für die Bestellung des Schienenpersonennahverkehrs ausgibt, will ich ein ansprechendes Service-Niveau am Bahnhof", so Genilke. Der CDU-Abgeordnete hat die Vertragskündigungen deswegen auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Verkehrsausschusses im Landtag setzen lassen.

Der rechtzeitige Erwerb einer Fahrkarte dürfe im Land Brandenburg schon deswegen nicht erschwert werden, weil der Kauf eines Tickets im fahrenden Zug seit einiger Zeit nicht mehr möglich ist, und Reisende ohne Fahrkarte von Kontrolleuren als Schwarzfahrer behandelt würden.

Ein Sprecher der Deutschen Bahn AG bestätigte, dass seit Juni 2013 deutschlandweit ein neues Vertriebsmodell gelte. Es berücksichtige "vertriebliche Forderungen der Aufgabenträger im Nahverkehr", beruhe aber "auf einer unternehmerischen Entscheidung von DB Vertrieb". Ob eine Agentur als Präsenzagentur eine Grundprovision von fünf Prozent und einen Standortbonus von viereinhalb Prozent für Fernverkehrsfahrkarten sowie eine Provision von fünf Prozent für Verbundfahrkarten erhalte, hänge davon ab, "ob personenbedienter Verkauf durch den Aufgabenträger bestellt wird oder nicht". Eine finale Entscheidung des VBB, welche Vertriebsleistung bestellt werden soll, stehe noch aus. "Hierzu befinden wir uns aktuell im Austausch", so der Bahnsprecher. Grundsätzlich bleibe der Agenturvertrieb ein wichtiger Vertriebskanal für uns, "der für uns jedoch auch wirtschaftlich sein muss".