Von Benjamin Lassiwe

Während in Potsdam die Koalitionsverhandlungen laufen, hat der Vorsitzende des Arbeitskreises Polen in der Brandenburger SPD, der Potsdamer Rechtsanwalt Enrico Triebel, erneut die Einrichtung eines hauptamtlichen Polenbeauftragten sowie die Schaffung einer Polenstrategie im Land Brandenburg gefordert. „Dietmar Woidke ist der Polenkoordinator der Bundesregierung“, sagt Triebel. „Aber Bund und Land sind zwei verschiedene Ebenen.“ In Brandenburg gebe es zahlreiche Institutionen, Vereine und Nichtregierungsorganisationen, die alle Kontakte nach Polen pflegten. „Das Land Brandenburg verfügt über zahlreiche kompetente Menschen, die sehr viel Lust und Herzblut haben, sich im deutsch-polnischen Kontext zu engagieren“, sagt Triebel. „Das Land Brandenburg sollte sie an die Hand nehmen, ihnen einen Rahmen geben, um noch intensiver und noch erfolgreicher die polnisch-deutschen Beziehungen zu leben.“

Zur Begründung erinnert Triebel auch an die gemeinsame Geschichte beider Länder. „Überall begehen wir gerade 29 Jahre deutsche Einheit, 30 Jahre Fall der Mauer“, sagt der Anwalt, der auch den Deutsch-Polnischen Gesundheits- und Sozial­verband leitet. „Kaum aber einer verbindet diese für uns Deutschen so prägenden Ereignisse mit Polen.“ Dabei fanden bereits im Juni 1989 in Polen die ersten halbwegs freien Wahlen statt. In Polen habe man den runden Tisch „erfunden“. „Die Solidarnosc-Bewegung war der Beginn des Niedergangs des Kommunismus“, sagt Triebel. „Heute haben wir mit Polen eine Normalität in den Beziehungen erreicht, die vor 50 Jahren noch völlig undenkbar schien.“ Die Zweisprachigkeit beginne mancherorts schon in den Kitas, setze sich in der Schule fort, die Euroregionen Viadrina und Spree-Neiße-Bober führten intensive grenzüberschreitende Projekte durch, die Viadrina in Frankfurt (Oder) mit dem Polonicum auf polnischer Seite hat einen internationalen Charakter. „Die Liste ließe sich lang fortsetzen“, sagt Triebel. „Umso wichtiger ist es aber, dass das Land Brandenburg all diese Aktivitäten sammelt, bündelt und zu einer Strategie formuliert.“ Denn nur so könne die Zusammenarbeit langfristig auch erfolgreich sein.