Sara stellt sich fix vor: „Ich bin neun Jahre alt, lebe in Potsdam und stamme aus Palästina.“ Das Mädchen ist sichtlich stolz, dass alles fehlerfrei geklappt hat. Auch ihre Mitschüler in der Potsdamer Willkommensklasse der Weidenhof-Grundschule freuen sich am Montag mit dem kleinen Mädchen und spenden Applaus.

Lehrerin Yvonne Albrecht unterrichtet seit April etwa ein Dutzend Kinder im Alter zwischen neun und zwölf Jahren. „Spielend sollen sie die deutsche Sprache lernen“, sagt sie.

An Brandenburger Schulen lernen derzeit rund 3200 Kinder aus Familien von Flüchtlingen. Bis Mitte des Monats könne die Zahl auf 3500 steigen, sagt Bildungsminister Günter Baaske (SPD) in Potsdam. „Es muss gelingen, ihnen so schnell wie möglich die Grundkenntnisse der deutschen Sprache beizubringen“, betont er.

Im Land sind bereits 120 zusätzliche Lehrer eingestellt. Nun kommen weitere 240 Stellen hinzu, sagt Baaske. Flüchtlingskinder sollen unterrichtet werden, ohne dass es Personalengpässe beim üblichen Unterricht gebe.

Nach einem Jahr sollen die Flüchtlingskinder in reguläre Schulklassen wechseln. Albrecht ist sich sicher, dass ihre Schützlinge bis dahin alle so gut deutsch sprechen, um dem Unterricht folgen zu können.

Gemeinsam wird ein Lied über Zahlen gesungen. Bei einem kurzen Hörspiel sollen die Schüler Kärtchen hochhalten, auf denen die Worte stehen, die sie verstanden haben. „Zum Anfang haben wir uns nur mit Händen und Füßen unterhalten“, sagt Albrecht, die Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. „Jetzt klappt es besser.“ Vier Unterrichtsstunden müssen an jedem Tag absolviert werden.

An der Weidenhof-Grundschule hätten 43 Prozent der insgesamt 319 Schüler Schüler einen Migrationshintergrund, sagt Schulleiterin Uta Goldberg. Die Kinder stammten aus 28 Nationen: aus Syrien, Iran, Polen, Albanien oder Tschetschenien.

Es sei wichtig, die Mädchen und Jungen für das Leben in der neuen Heimat fit zu machen, betont Goldberg. „Sie lernen in der Willkommensklasse nicht nur Deutsch, sondern für's Leben“, sagt sie. Gemeinsam gingen die Kinder mit der Lehrerin einkaufen und schauten sich im Supermarkt um. „Jetzt können sie der Kassierin antworten, wenn sie fragt, ob ein Kassenbon für den Einkauf benötigt wird“, sagt die Direktorin.