„Die Entführer verlangten drei Millionen Dollar für meine Freilassung“, sagte Asisullah vor Journalisten in Kabul. „Sie drohten damit, mir eine Hand und ein Ohr abzuschneiden und sie meinem Vater zu schicken, wenn das Geld nicht kommt.“ Das Auswärtige Amt bestätigte, dass der deutsch-afghanische Staatsangehörige frei sei. Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut.
„Wir haben gestern Informationen erhalten, dass der Entführte sich in einer Gegend außerhalb Kabuls aufhält“, sagte der stellvertretende afghanische Geheimdienstchef Abdullah Laghmani bei der Pressekonferenz in Kabul, an der Asisullah in offensichtlich erschöpftem Zustand teilnahm. Der Einsatz eines Geheimdienst-Kommando begann laut Laghmani um zwei Uhr, die Befreiung erfolgte gegen vier Uhr morgens (Ortszeit). „Ich hörte einen Krach, dann hörte ich Stimmen „Öffnet die Tür‘, dann merkte ich, dass sie zu meiner Befreiung gekommen waren“, schilderte Asisullah die Umstände seiner Befreiung. Erst am Mittwoch war seine Entführung in Deutschland bekannt geworden.
Der Deutsch-Afghane wurde am 25. Juli am Eingang eines Saal für Hochzeitsfeiern entführt, den seine Familie unter dem Firmennamen „Asiens Herz“ betreibt. Zeitweise habe er befürchten müssen, dass die Entführer ihm wirklich eine Hand und ein Ohr abschnitten, sagte Asisullah. Asisullah war 2003 nach Afghanistan zurückgekehrt, um in dem Familienbetrieb mitzuarbeiten. Er hat offenbar nicht vor, wieder nach Deutschland zu gehen. „Nach dem, was ich erlebt habe, habe ich umso mehr Vertrauen in unsere Sicherheitskräfte und werde höchstwahrscheinlich bleiben“, sagte er.
Nach Angaben des Auswärtigen Amts nahmen deutsche Botschaftsvertreter umgehend ersten Kontakt mit der befreiten Geisel auf. „Wir danken der afghanischen Regierung und den afghanischen Sicherheitskräften für ihre umsichtige und erfolgreiche Arbeit“, erklärte Sprecher Jens Plötner in Berlin. Der afghanische Vize-Geheimdienstchef Laghmani forderte die Justiz auf, die drei festgenommenen mutmaßlichen Entführer hinzurichten, um ein abschreckendes Beispiel zu setzen. Bei der Pressekonferenz in Kabul wurden drei Männer mit verbundenen Augen vorgeführt. Dem afghanischen Geheimdienst zufolge waren zwei der Entführer als Wachleute des Unternehmens „Asiens Herz“ beschäftigt.
In der Vergangenheit waren Deutsche wiederholt Opfer von Entführungen in Afghanistan geworden. Ende 2007 wurde der deutsche Schreiner Harald K. in der westafghanischen Provinz Herat verschleppt. Der Hintergrund der Entführung ist unklar. Seit Monaten gibt es von ihm kein Lebenszeichen.
Im August 2007 wurde eine Mitarbeiterin der Hilfsorganisation ora international in Kabul entführt. Die Kidnapper forderten ein Lösegeld von rund einer Million Dollar für die schwangere Frau. Nach anderthalbtägiger Geiselhaft wurde sie von der Polizei befreit.
Im vergangenen Sommer wurden die Ingenieure Rudolf Blechschmidt und Rüdiger D. entführt. Blechschmidt kam im Oktober frei, sein Kollege war kurz nach der Entführung im Juli 2007 erschossen worden.
(AFP/roe)