Noch kann man sich für den neuen Studiengang "Heritage Conservation and Site Management" (deutsch: Welterbe-Denkmalpflege und -Management) nicht einschreiben. Einer von vielen Studenten, der aber bereits im Ausland war, ist Mohammed Abdel Rady. "Ich habe so viel gelernt", berichtet er. Der 28-Jährige studiert Wirtschaft und Informatik und schreibt an der Helwan-Universität in Kairo gerade seine Master-Arbeit. Über ein ähnliches Austauschprogramm lernte er an der Hochschule Ludwigsburg (Baden-Württemberg). "Ich habe in Deutschland Freunde gefunden, zu denen ich heute noch Kontakt halte", erzählt er weiter.

Abdel Rady war vor zwei Jahren auch auf der Straße. "Die falschen Leute waren an der Macht. Wir haben sie gestürzt." Und die Leute auf der Straße würden es wieder tun, sagt er. Seit eineinhalb Jahren ist er verheiratet, hat einen kleinen Sohn, träumt von einer Karriere in der Computer-Branche. Wie vielen seiner Landsleute bereitet es ihm Kopfzerbrechen, dass Ausländer Ägypten derzeit meiden. "Das setzt eine Kettenreaktion in Gang", sagt er. Kommen keine Touristen, liegt die Wirtschaft am Boden. "Wenn ich fertig bin, werde ich umgerechnet ein Monatsgehalt von 200 Euro haben", so Rady. Ohne ein Stipendium hätte er sich die Reise nach Deutschland niemals leisten können.

Dass viele Staaten, darunter die USA und Frankreich, Reisewarnungen für das nordafrikanische Land ausgesprochen haben, merken in Ägypten nicht nur Touristiker. Von mittelständischen Unternehmen bis zu den Universitäten - alle leiden unter der instabilen politischen Lage.

Das bestätigt auch der Leiter des Büros des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), Dr. Michael Harms. Seit dem Ende des Mubarak-Regimes hat der Verein in Ägypten sein Engagement stark ausgebaut - trotz Reisewarnungen. Der DAAD ist eine Gemeinschaftseinrichtung der deutschen Hochschulen und Studierendenschaften für die Pflege internationaler Beziehungen. "Das Auswärtige Amt hat dem DAAD Sondermittel zur Verfügung gestellt, um die demokratischen Reformprozesse im Land zu unterstützen", erläutert Harms.

Ein Teil dieser Sondermittel soll in das Projekt der Helwan Universität Kairo und BTU Cottbus fließen. Der gemeinsame Studiengang soll bereits im kommenden Wintersemester starten. 25 Studenten sollen einmal "Heritage Conservation and Site Management" studieren. Dafür erhält die BTU mehr als eine Million Euro vom DAAD. Der Plan ist, dass die Studierenden im ersten Master-Semester im jeweiligen Heimatland ausgebildet werden, dann jeweils ein Semester an der Partner-Universität. Im letzten und vierten Semester schreiben die Studierenden an ihrer Heimatuniversität ihre Masterarbeit und haben dann aber zwei Abschlüsse. Einen ägyptischen und einen deutschen. Prof. Dr. Michael Schmidt, Leiter des BTU-Lehrstuhls Umweltplanungen und Organisator des Austausches, war mit seinen Kollegen schon zu mehreren Arbeitsbesuchen in Kairo. Zuletzt vor wenigen Tagen. "Jetzt geht es nur noch um Details", sagt er. Stimmen am Ende die Ministerien beider Länder dem Studiengang zu, steht der Kooperation und dem Studienaustausch nichts mehr im Wege. Nur neue Ausschreitungen könnten den Plan dann noch zunichtemachen.

Wenn am 22. und 23. April in fünf ägyptischen Provinzen, darunter die Hauptstadt Kairo, die Parlamentswahlen starten, werden auch Rhonda Alaa und Ikram Ghabriel ihre Stimmen abgeben. Die beiden jungen Frauen (26 und 24 Jahre) sind Nachwuchsdozentinnen im Fachgebiet Tourismus. Bis vor Kurzem waren sie zwei von 100 000 Studierenden der Helwan Universität in Kairo, eine von sieben staatlichen Universitäten in der 16-Millionen-Metropolen-Region. Seit dem Sturz des Mubarak-Regimes vor zwei Jahren ist auch die ägyptische Hochschullandschaft in Bewegung geraten. Organisationen wie der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) haben ihr Engagement massiv ausgebaut (siehe Interview). Während die Europäer stärker an der als liberal geltenden Helwan-Universität aktiv sind, finanzieren arabische Staaten wie Saudi-Arabien viel an der Al-Azhar-Universität. Sie ist mit 375 000 Studenten eine der größten Einrichtungen ihrer Art in der islamischen Welt.

Dass konservative Kräfte wie die Muslimbrüder und die Salafisten im Parlament derzeit eine Mehrheit haben, sehen die beiden Nachwuchs-Dozentinnen Rhonda Alaa und Ikram Ghabriel kritisch. "Es gibt Leute, die denken, dass es für Frauen das Beste ist, jung zu heiraten, Kinder zu bekommen und zu Hause zu bleiben", sagt Rhonda Alaa. "Dafür bin ich nicht auf die Straße gegangen." Bei vielen jungen Ägypterinnen habe die Revolution hohe Erwartungen geschaffen - vor allem was die persönlichen Freiheiten betrifft. "Ich hoffe, dass unsere Gesellschaft sich weiterentwickelt. Alles, was Ägypten jetzt braucht, ist Stabilität", stellt Ikram Ghabriel fest.

Auch Ahmed Owei ist ein großer Befürworter von Austauschprogrammen. Er ist Dozent für Betriebswirtschaftslehre an der Helwan-Universität. Er hat sechs Jahre in Los Angeles gelebt. Den Anfang der Revolution hat er im Fernsehen verfolgt. "Ich musste zurückkommen. Ich konnte nicht mehr ruhig schlafen", erinnert er sich. Wenn er über Ägypten spricht, dann redet er von Zukunft und Fesseln, die das Land abgelegt habe. Aber viele seiner Landsleute seien auch verunsichert. "Wir brauchen Stabilität", so Owei. Selbst einheimische Investoren seien zurückhaltend. Für viele sei das Risiko zu groß. "Das ist eine Spirale, die nur eine Richtung kennt", sagt er.

Eines der größten Probleme ist die fehlende Vision von einer Zukunft. "Wir sind jetzt zwar frei. Aber haben wir auch eine Vision, wo wir hin wollen?" Die Deutschen, sagt Ahmed Owei, seien ein Vorbild. Damals, als die Mauer fiel, sei das auch ein Tanz auf der Rasierklinge gewesen. "Und ihr habt es irgendwie geschafft. Den meisten geht es jetzt besser als vorher", ist er sich sicher. Gerade die junge Generation könne im Austausch viel voneinander lernen.