Strafkammer des Potsdamer Landgerichtes einen Versuch der Verteidigung ab, das kurz vor Abschluss stehende Verfahren um die 256 000-Euro-Förderung einer Schaubackstube auf dem Zimmermannschen Familienhof in Schöna-Kolpin an einer winzigen Formalie platzen zu lassen. Doch für die Art und Weise des Vorstoßes fand Richter Klaus Przybilla unjuristische Worte: Die Kammer sei "peinlich berührt".

Blitz-Auftritt gerügt
Der Potsdamer Anwalt Mat-thias Dombert, er ist auch Verfassungsrichter, war vorige Woche zum ersten Mal im Gerichtssaal erschienen und hatte zur allgemeinen Verblüffung die Aussetzung des Verfahrens beantragt. Die Be-gründung: Er sei nicht geladen worden, obwohl er nach wie vor Pflichtverteidiger des mitangeklagten Referatsleiters Joachim Domeratzky sei. Was stimmt. Nur, so Richter Przybilla, werde Domeratzky ja von Domberts Lebensgefährtin, der Anwältin Heide Sandkuhl, vertreten. Die Argumentation Domberts, er wisse nichts vom Prozess, sei daher nicht nachvollziehbar. Hinzu komme, so die Kammer, dass über das Verfahren in "regionalen und überregionalen Medien" ausführlich berichtet worden sei. Scharf rügte Przybilla den Blitz-Auftritt Domberts mit der von Sandkuhl geborgten Robe (die RUNDSCHAU berichtete): Dies sei "in hohem Maße rechtsmissbräuchlich".

"Anfängerfehler"
Der Gerügte erschien gestern nicht. Dafür griff Sandkuhl die Kammer scharf an. Sie habe mit der Nichtladung des Pflichtverteidigers einen "An-fängerfehler" begangen - und schütte mit dem Verweis auf die persönliche Beziehung einen "Kübel Dreck über die Verteidigung aus". Eine Lebenspartnerschaft bedeute nicht, so Sandkuhl, dass man sich in der knappen Freizeit auch noch über Verfahren austausche. Die Nichtladung sei keine unbedeutende Formalie, so die Anwältin, sondern ein handfester Revisonsgrund.
Gegenüber der RUNDSCHAU erklärte Dombert, es wäre "Parteienverrat", wenn er den Antrag nicht gestellt hätte. Er sei verpflichtet, alles für seinen Mandanten zu tun. "Wenn das Gericht im Verfahren genauso sicher wäre wie in Herabwürdigungen, wäre es zu dem Ladungsfehler nicht gekommen.
Morgen soll in dem Prozess die Beweisaufnahme abgeschlossen, eine Woche später das Urteil gesprochen werden.