2011 war das Jahr der Bürger, die mit Plakaten oder Trillerpfeifen auf die Straße gingen, um ihren Unmut auszudrücken oder eine andere Politik einzufordern. Dass es um die Flugrouten und die damit verbundenen Belastungen für die Anwohner des neuen Flughafens Willy Brandt etwas Lärm geben würde, war abzusehen. Dass die politisch Verantwortlichen aber so wenig koordiniert und ohne jedes Gefühl für die Stimmungslage der Betroffenen agierten, war vermeidbar. Denn den Beteiligten hätte lange klar sein müssen, dass die Festlegung der Flugrouten Diskussionen auslösen würde.

Weil sie sich aber Jahre darum drückten, auf die Lärmbelastung hinzuweisen, schürten sie Misstrauen und Wut. Und auch die sich jetzt abzeichnende Lösung – dass viele nochmal davongekommen sind – hat den Unmut kaum besänftigt. Wie die Zehntausende, die im südlichen Umland Berlins auf die Straße gingen, 2011 verarbeiten und wie sie künftig zur Politik stehen, ist offen.

Warum sich diese Regierung dann auch noch wegen der vergleichsweise völlig unbedeutenden Millionen-Einsparung den geballten Zorn der Elternschaft der Freien Schulen zumutete, bleibt wohl ein Rätsel. Hier, genauso wie beim Streit um die Flugrouten, entstand bei den Betroffenen der Eindruck, der Dialog werde erst gar nicht versucht. Die Regierungspläne kamen plötzlich – ohne vorher ansatzweise begründet worden zu sein.

Fakt ist, dass die im Haushaltsbegleitgesetz versteckten Kürzungen der Zuschüsse für die Träger und damit auch für die Eltern ein ernstes Problem sind. Denn die mit privatem Engagement aufgebauten Schulen sind langfristig kalkulierte Projekte. Die Kürzungen von bis zu dreißig Prozent können starke Auswirkungen auf diese Wirtschaftlichkeitsberechnungen haben.

Der wochenlange Protest hat die Koalition dann nachhaltig verunsichert. Offener Widerspruch gegen die Elternschaft wagte kaum einer der Politiker. Nur einmal wurde ansatzweise der Ärger sichtbar: Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) warf der Opposition und namentlich Linda Teuteberg (FDP) in einer von verhaltener Wut bestimmten Rede vor, auch Kinder für die Proteste zu missbrauchen. Da wurde der Regierungschef plötzlich selbst zum Wutbürger.

Tatsächlich aber hatten CDU, FDP und Grüne kaum Anteil an den Demos. Da marschierte erneut das wache Bürgertum, sodass auch bei den Freien Schulen die Politik etwas zurückruderte: Ein kleiner Teil der Kürzungen wurde gestrichen. Aber der Konflikt ist lange nicht beendet. Er wird auch in den nächsten Jahren die Diskussionen mitbestimmen.

Ein Wutbürger ganz eigener Art sorgte zum Jahresende auch noch für Schlagzeilen: Christoph Schulze (SPD) verließ seine Fraktion aus Protest gegen die Flughafenpolitik. Er ist seit 1990 im Landtag, gehörte zu den SPD-Gründern im Lande. Sein Grund gleicht der aller Protest-Bürger von 2011: Die Mächtigen hörten nicht zu und seien an einem wirklichen Dialog nicht interessiert.