Martin Neumann will mit der Bahn nach Berlin. Nach dem Schock vom Sonntag, als er mit den Liberalen unterging, muss er nun sein Bundestagsbüro räumen, die Wohnung auflösen. Der 57-Jährige wirkt bei einer Tasse Kaffee aufgeräumt. Er erzählt gelöst, schmiedet schon neue, auch politische Pläne. "Weil ich überzeugt bin, dass in gar nicht so langer Zeit wieder nach der liberalen Idee gerufen wird." Neumann verschweigt aber auch nicht jenen Wunschtraum in der Nacht zum Montag, "in dem es doch 100 000 Stimmen mehr waren und die FDP noch im Bundestag ist".

Der Morgen danach und die Realität in der Bundespolitik sehen anders aus. In Berlin hat der FDP-Politiker Verantwortung für drei Mitarbeiter. In Cottbus muss das Büro auch aufgelöst werden. "Ich werde mich kümmern", versichert Neumann. Schon in der nächsten Woche gibt es Gespräche mit neuen Abgeordneten, die einen Verwaltungsexperten wie seinen Büroleiter Oliver Höhno durchaus gebrauchen könnten. Das sei ja kein politisches Amt.

Von seinem Lehrstuhl für Technische Gebäudeausrüstung an der Hochschule Magdeburg ist Prof. Neumann nur beurlaubt. Dort hat er in den vier Jahren als Bundestagsabgeordneter weiter 15 Semester-Wochenstunden gegeben. "Die Studenten sind auch am Samstag zu mir gekommen", betont er. Zunächst aber hat Neumann noch ein Vierteljahr Zeit, seine Zukunft zu planen. Aber das fällt ihm nicht so leicht. "Von der unmittelbaren Forschung bin ich doch etwas entfernt", schätzt er die Lage ein. Was ihn reizt, ist "ein Neustart auf dem Gebiet des Hochschul-Managements". Seine Erfahrungen aus dem Bundestagsausschuss für Bildung und Forschung kämen ihm sicher zugute.

Was Martin Neumann nicht lassen wird, ist seine politische Arbeit. Für den Vize-Landeschef hat die Misere seiner FDP mit dem "unnötigen Sturz Guido Westerwelles" begonnen. Das müsse jetzt aufgearbeitet werden. Zugleich gehe es darum, wie liberale Politik bundesweit wieder wählbar werde. "Dass dies gelingen wird, daran habe ich keinen Zweifel", sagt er und rauscht mit der Bahn nach Berlin ab.