München ist und bleibt das Maß der Dinge beim jährlichen Städteranking der Zeitschrift "Wirtschaftswoche". Die bayerische Landeshauptstadt liegt seit Langem nach Einkommen, Wirtschaftskraft und Lebensqualität mit Abstand vorn, genau wie seit Jahren zwei weitere bayerische Städte - Ingolstadt und Erlangen - folgen.

Doch erstmals wurden auch Merkmale für die Zukunftsfähigkeit ausgewertet, und da ist das hessische Darmstadt spitze. Mit Jena auf Platz vier schafft es in dieser Kategorie sogar eine Ost-Stadt ganz nach oben.

Beim Städteranking werden 93 verschiedene Merkmale von den 69 kreisfreien Großstädten mit mehr als 100 000 Einwohnern miteinander verglichen. Das reicht von der Arbeitslosenquote über die Steuer- und Wirtschaftskraft bis zur Versorgung mit Kita-Plätzen. Diese Merkmale werden dann unterschiedlich gewichtet.

Die Untersuchung, die auch vom Immobilieportal Scout 24 mitfinanziert und vom Institut für Wirtschaftsforschung Köln durchgeführt wird, ist wirtschaftsnah. So fließen etwa steigende Immobilienpreise und Mieten positiv ein - "das ist ein Spiegelbild der konjunkturellen Entwicklung", so die Autoren. Nicht alle Mieter dürften das so sehen.

Beim Niveauvergleich, der den Ist-Zustand misst, fällt neben der Dominanz Bayerns die schlechte Position Nordrhein-Westfalens auf. Unter den Letzten zehn befinden sich acht Weststädte, meist aus dem Ruhrgebiet. Nur Halle, das um drei Plätze auf Platz 62 abrutschte, und Bremerhaven (wieder Platz 66) haben es in diese Negativauswahl geschafft.

Bremen und Mannheim sackten am stärksten ab, Mannheim um fünf Ränge auf Platz 21, Bremen um fünf Plätze auf Rang 47. Absolutes Schlusslicht ist wie schon im Vorjahr Gelsenkirchen, knapp davor Herne und Oberhausen.

Einen großen Sprung nach vorn (plus vier auf Platz 56) machte Wuppertal, wie überhaupt die Großstädte im Bergischen Land eine positive Entwicklung verzeichneten. Allerdings nur im Dynamik-Ranking, bei dem der Grad der Veränderung in den vergangenen fünf Jahren gemessen wird.

In diesem Jahr spiegelt diese Statistik, weil sie bis 2009 zurückreicht, sehr stark die Turbulenzen während und nach der Finanzkrise wieder. Am meisten legten in dieser Betrachtung die Autostädte Ingolstadt und Wolfsburg zu, die von der Abwrackprämie profitierten, nun aber womöglich wegen des VW-Skandals wieder vor Problemen stehen.

Auch Heilbronn, Pforzheim und Wiesbaden schossen nach vorn, während Bonn, Potsdam und Heidelberg stark abstürzten. Alle drei sind Beamten- und Hochschulstädte ohne viel Industrie. Im Zukunftsindex liegen sie viel besser.

Bei ihm schlägt zu Buche, wie viel Forschung, kreative Dienstleistungen, Ingenieure, Patentanmeldungen und Breitbandanschlüsse es an einem Ort gibt. Hier liegen hinter Darmstadt mit Erlangen und München ebenfalls zwei bayerische Städte in der Spitzengruppe, auch hier kommen die Schlusslichter alle aus dem Ruhrgebiet. Sie haben damit nicht nur akute Probleme, sie stehen auch langfristig vor großen Herausforderungen. Die Hauptstadt Berlin übrigens bewegt sich bei allen Betrachtungen im soliden Mittelfeld.

Alle Daten unter: www.wiwo.de/staedteranking