ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:04 Uhr

Der Wiederaufbau der Frauenkirche als Lebensaufgabe

Für viele ist Eberhard Burger der „George Bähr des 20. Jahrhunderts“. Der Bauingenieur, der heute seinen 60. Geburtstag feiert, sieht sich selbst nicht so. Von Simona Block

Dabei gibt es viele Parallelen im Leben des Barock-Baumeisters der Dresdner Frauenkirche und des 1,90-Meter-Mannes, der seit 1992 den Wiederaufbau des 1945 zerstörten Gotteshauses leitet.
Ratszimmermeister Bähr, 1666 geboren und vor Vollendung seines größten Werkes 1738 gestorben, musste Architekt, Statiker, Akustiker, Bauphysiker, Technologe und Bauüberwacher zugleich sein. Burger war nach Jahren im DDR-Industriebau unbewusst in seine Fußstapfen getreten: Als er die Wiederherstellung der im Krieg zerstörten Dreikönigskirche - einst von Bähr nach Plänen des Hof- und Zwingerarchitekten Pöppelmann gebaut - übernahm. An der Frauenkirche ist er fast 300 Jahre nach Bähr der Bauherr. Bei dem Job helfe ihm das zu DDR-Zeiten aus der Not heraus angewöhnte ganzheitliche Denken, sagt er. 1943 in Berlin geboren, studierte er in Dresden Bauingenieurwesen. "Wohnungsbau war mir zu langweilig, ich ging in den konstruktiven Industriebau."
"Am schlimmsten für mich war es, Zwängen ausgesetzt zu sein", sagt Burger. Die erste Stelle als Bauleiter für das Rennomierobjekt Kernkraftwerk Lubmin ersparte ihm den NVA-Dienst. 1971 kam er zurück nach Dresden wo er für das Bau- und Montagekombinat Werkhallen und Verwaltungsgebäude für Firmen wie Mikromat oder Robotron baute.
Die evangelische Kirche engagierte den Christen 1980 als Kirchenbaurat und übertrug ihm die Verantwortung für alle mit Valuta-Mark realisierten Kirchbauten wie dem Zwickauer Dom, Gemeindezentren, Pfarrhäuser, Kindergärten oder Rüstzeitheime. 1991 erhielt er von der Landeskirche erste Aufträge zur Planung und Vorbereitung des noch umstrittenen Wiederaufbaus der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Frauenkirche.
Die meisten konnten sich nicht vorstellen, dass aus den Trümmern wieder ein Gebäude entsteht. "Wir müssen wieder lernen, einfach loszulegen, dann wird sich vieles beim Tun richten", sagt der vierfache Großvater, der seit 1986 auch Domherr von Wurzen ist. Dabei musste er mit diplomatischem Geschick viele Zweifler überzeugen. "Das Erstaunen, dass jemand aus dem Osten diese Verantwortung übertragen bekommt, hat mich lange begleitet."
Seit Hebung des ersten Trümmersteins ist er dabei, seit 1994 als Baudirektor der Stiftung Frauenkirche. Inzwischen schließt die noch hinter Gerüsten verborgene "Steinerne Glocke" nach fast 60 Jahren wieder die Lücke der Stadtsilhouette. Damit hat es Burger, der mit seinen ergrauten Blond-Locken optisch schon barocke Züge hat, allen Zweiflern gezeigt. "Ich bin froh, dass die damals zaghaften Wünsche und Hoffnungen in Erfüllung gegangen sind." Mit der äußeren Fertigstellung 2004 hat er zwei Jahre Vorlauf geschafft. Nach dem eigentlichen Plan sollte die Kuppel 2006 die Stadtsilhouette wieder vervollständigen, sagt er nicht ohne Stolz.
Seine Arbeitstage haben im Schnitt zwölf Stunden, die Woche auch oft sechs Tage. Da bleibt wenig Zeit für Familie und Freunde. Wenn er den Bauhelm ablegt, will er sich um die Nutzung "seines" Werkes kümmern, das im Herbst 2005 geweiht wird. Der Job holt ihn immer wieder ein: "Die Frauenkirche werde wohl ich nie los."