Der 68-Jährige, dem als dienstältesten Regierungschef in Ostdeutschland seit einiger Zeit Amtsmüdigkeit nachgesagt wird, gilt als Wegbereiter von Rot-Rot. Doch er hat auch Wendigkeit bewiesen. Nach der Wahl von 2006 tauschte der studierte Chemiker seinen Koalitionspartner Linkspartei kurzerhand gegen die CDU aus.

Ringstorff war am Mittwoch sichtlich bemüht, seinen für den 3. Oktober terminierten Rücktritt als ganz normalen Vorgang hinzustellen: „Bekanntlich werde ich im September 69 Jahre alt“, erklärte der populäre Landesvater. „Und das ist ein Alter, in dem man daran denken muss, den Staffelstab in jüngere Hände weiterzugeben.“ Doch mit Ringstorff geht in Zeiten rot-roter Verunsicherung bei der SPD ausgerechnet einer, der mit ruhiger Hand ein Bündnis aus SPD und PDS auf den Weg gebracht hat.

Es war ein Novum, als Ringstorff 1998 das erste Regierungsbündnis aus SPD und PDS installierte. Denn eine Koalition mit den SED-Nachfolgern hatte bis dahin als Tabu gegolten, auch wenn sich die SPD in Sachsen-Anhalt damals schon von der PDS hatte tolerieren lassen.

Doch Ringstorffs Koalitionspartner hatte unter der Regentschaft des als dickköpfig geltenden Regierungschef nichts zu lachen. Der SPD-Ministerpräsident brachte die Sozialisten bei Themen wie dem Kosovo-Krieg „auf Linie“. Und als dies einmal nicht gelang und sich die PDS der im Bund 2001 beschlossenen Rentenreform widersetzte, stimmte Ringstorff im Bundesrat kurzerhand für das Gesetz – obwohl der Koalitionsvertrag für den Fall einer solchen Uneinigkeit eigentlich Stimmenthaltung vorsah.

Rot-Rot in Schwerin geriet durch Ringstorffs Renten-Alleingang zwar in eine Krise, bestand aber fort. Und es war der Ministerpräsident, der ganz offenbar am meisten von dem Bündnis profitierte. Bei der Wahl 2002 legte die SPD deutlich zu, während sich die PDS verschlechterte. Fortan regierte Rot-Rot in ruhigem Fahrwasser weiter, zu einem erneuten Alleingang setzte Ringstorff schließlich auf Bundesebene an: Als einziges Bundesland lehnte Mecklenburg-Vorpommern im Bundesrat die erste Stufe der Föderalismusreform ab – was das Projekt aber nicht gefährdete.

Als bei der Wahl im September die rechnerische Mehrheit von Rot-Rot auf eine Stimme Vorsprung zusammenschmolz, entschloss sich Ringstorff zum Schwenk: Er installierte nach kurzen Verhandlungen die Koalition mit der CDU, mit der er den eingeschlagenen Kurs der Haushaltskonsolidierung fortsetzen konnte.

Den Vater einer Tochter hatte es erst nach der Wende in die Politik gezogen. am 25. September 1939 in Wittenburg als Sohn eines Einzelhändlers geboren, studierte er an der Universität Rostock Chemie und arbeitete lange Zeit im Schiffbaukombinat der DDR, Bereich Farben und Lacke. 1989 gehörte er dann zu den Gründern der SPD in Mecklenburg-Vorpommern, im darauffolgenden Jahr wurde er ihr Landesvorsitzender, ließ sich in die DDR-Volkskammer wählen und wurde schließlich SPD-Fraktionschef im Schweriner Landtag.

In Schwerins großer Koalition von 1994 bis 1996 war Ringstorff Wirtschaftsminister. Das Amt gab er nach einem heftigen Streit über die Finanzpolitik mit der CDU ab, kehrte als Fraktionschef in den Landtag zurück und bereitete hinter den Kulissen die Annäherung an die PDS vor. So hat seinen Beitrag dazu geleistet, dass ein Zusammengehen mit der Linkspartei zumindest im Osten kein Tabu mehr ist.