Mit Zugverbindungen nach Polen ist die brandenburgische Lausitz nicht gerade reich gesegnet. Die Osterweiterung der Europäischen Union auf der Schiene ist an der Region nahezu vorbeigegangen. Zwar rollen wieder Personenzüge zwischen Guben und Zielona Gora. Und zwei Zugpaare pro Tag verkehren zwischen Forst, Zary, Zagan und Legnica.

Doch der eigentliche "Bringer", der von Hamburg über Berlin, Cottbus, Forst, Boleslawiec nach Wroclaw und weiter nach Krakow fahrende Eurocity Wawel, wird im Dezember "beerdigt". "Wir werden dabei nicht tatenlos zusehen", kündigt Katrin Erb, Leiterin des Fachbereichs Verkehr der IHK Cottbus, an. "Die Wirtschaft in der Lausitz braucht diese Verbindung nach Polen."

Dass dem "Begräbnis" des Wawel schon bald eine Auferstehung folgen könnte - diese Ankündigung aus dem Potsdamer Verkehrsministerium hat auf dem Regionalforum der Energieregion Lausitz am Dienstagabend in Senftenberg aufhorchen lassen. "Wir halten Kontakt mit der DB Fern und den Woiwodschaften", versicherte der Referatsleiter ÖPNV, Jürgen-Peter Hiller, vor den kommunalen Spitzenpolitikern der vier Südbrandenburger Kreise und der Stadt Cottbus. "Wir sind guten Mutes, dass die Strecke 2016 gebraucht wird, wenn Wroclaw Europäische Kulturhauptstadt ist." Hiller schob hinterher, dass Fernbusse nicht ausreichen würden.

Der Chef der Energieregion, LDS-Landrat Stephan Loge (SPD), hatte sich daraufhin zwar herbere Kritik an der Abwicklung des Wawel erspart. "Doch unsere Sorge bleibt, dass die Schienenwege nach Polen an der Lausitz vorbeigehen", berichtete er aus dem Forum Infrastruktur der Energieregion. Denn Polen bevorzugt offenbar die Gleise von Berlin über Frankfurt (Oder) und Zielona Gora nach Wroclaw. Die Deutsche Bahn bietet für den Süden des Landes die Verbindung Berlin, Cottbus, Senftenberg, Hoyerswerda, Horka, Wroclaw an. "Wir werden den Verdacht nicht los, dass sich die DB aus der Lausitz verabschieden will", schlussfolgerte Loge. Deshalb fordert die Energieregion Lausitz: "Wir brauchen die Strecke von Cottbus über Forst nach Polen." Und mit der Wirtschaft wollen die kommunalen Spitzenpolitiker erreichen, dass der Ausbau Cottbus, Görlitz, Wroclaw als vorrangiges Vorhaben in den Bundesverkehrswegeplan kommt.

Dass der Wawel geht und schon bald wieder kommt, mag Hoffnung verbreiten. "Das hat aber nichts mit Verlässlichkeit gegenüber der Wirtschaft zu tun", sagt Katrin Erb.