"Die finale Mülltonne ist voll", klagte Lothar Bisky im April vor drei Jahren. Mit diesem Befund verabschiedete er sich damals frustriert vom Vorsitz der PDS. Die andauernden Flügelkämpfe zwischen Altstalinisten, militanten Pazifisten und pragmatischen Reformern hatten den Medienprofessor nach acht Jahren Führungsjob in die innere Emigration getrieben. Die PDS-Basis war entsetzt, dass ausgerechnet der selbst erklärte "Integrationsopa" die Brocken hinschmiss.
Eine Ära schien zu Ende zu gehen. Unter Bisky war es immerhin gelungen, das Schmuddel-Image der SED-Nachfolger weitgehend abzustreifen. Hinzukamen die beeindruckenden Wahlergebnisse in Bund und ostdeutschen Ländern. Führende PDS-Funktionäre überfiel dann auch eine düstere Ahnung: Geht Bisky, so der damalige Tenor, dann werden sich die innerparteilichen Auseinandersetzungen weiter verschärfen.

Bisky selbst drehte Personalkarussell
Wie Recht sie hatten. Gabi Zimmer, die Bisky im Amt folgte, sein Format aber nie erreichte, ist nur noch eine Fußnote der Parteigeschichte. Seit ihr Entschluss zum Rücktritt wegen des eskalierenden Machtkampfes öffentlich wurde, rotiert bei den Linkssozialisten das Personalkarussell.
Und ausgerechnet Bisky hat es in Gang gesetzt. "Wenn alle Stränge reißen, fühle ich mich in der Pflicht", ließ der Fraktionschef im Brandenburger Landtag zur Überraschung vieler wissen. Gemessen daran müsste der Zimmer-Vorgänger automatisch für die Nachfolge kandidieren. Alle Stränge sind kaputt - die PDS steht praktisch vor dem Untergang.
Ob Bisky der ersehnte Retter in höchster Not sein kann, wird allerdings auch im Reform-Flügel der Partei bezweifelt. Zumal sich der ruhige und pragmatische Ex-Chef auch nur für eine gewisse Zeit vor den Karren spannen lassen will. "Ein Übergangsvorsitzender wäre ein schlechtes Signal für die PDS", befindet die Bundestagsabgeordnete Petra Pau, die dem einflussreichen Berliner Landesverband angehört. "Ein Aufbruchsignal wäre das nicht", sekundiert Parteivize Peter Porsch aus Sachsen. Andere vermuten, dass Biskys Offerte nur "halb ernst gemeint" war, um den Abgang des völlig zerstrittenen Vorstandes zu beschleunigen. Und dann ist es ja auch so, dass sich Bisky dem schier aussichtslosen Unterfangen nicht bedingungslos stellen will. Erst einmal müsse die künftige politische Linie geklärt werden. Soll heißen: Der harte Oppositionskurs, auf den sich die PDS bei ihrem Geraer Parteitag im vergangenen Jahr zum Leidwesen der Reformer festlegte, soll revidiert werden.

Gysi gab Bisky einen Korb
Das ginge allerdings nur mit einer geeigneten Führungsmannschaft. Doch die hat Bisky nicht vorzuweisen. Selbst Gregor Gysi, der einst im Tandem mit Bisky das Erscheinungsbild der PDS maßgeblich prägte, gab seinem alten Fahrensmann einen Korb. So tauchen eine Fülle weiterer Namen auf, die sich allerdings zum Teil gleich selbst wieder versenken. Wie zum Beispiel Wolfgang Methling, der Vize-Regierungschef in Mecklenburg-Vorpommern. Andere Aspiranten wie der Europaabgeordnete Helmuth Markov oder die ehemalige Bundestagsabgeordnete Dagmar Enkelmann sind nur in internen Zirkeln bekannt. Bislang ist sich die reform-orientierte Garde nur einig, dass die beiden West-Importe Uwe Hiksch (Bundesgeschäftsführer) und Diether Dehm (PDS-Vize) von der Parteispitze verschwinden müssen.
Mangels personeller Masse hat Bisky gleichwohl gute Karten. "Es ist eine der ganz wenigen machbaren Varianten", überlegt ein ehemaliger Spitzenfunktionär. "Ansonsten fliegt der Laden auseinander."