Einer ihrer Schüler ist Mohamad Malik. "Ich habe gesehen, dass er viel organisiert hat und anderen Flüchtlingen half", erinnert sich Andrea Stapel. Schließlich hat sie dem 28-Jährigen über die Brandenburger Sportjugend eine Stelle als Bufdi (Bundesfreiwilligendienst) angeboten.

Dank seines Engagements ist Mohamad nun für mindestens ein Jahr Ansprechpartner für andere Flüchtlinge. Das heißt helfen, übersetzen und begleiten. Wenn vormittags der Deutschkurs vorüber ist, setzt er sich in sein kleines Büro im Bad Liebenwerdaer Regenbogenhaus, geht mit auf Arztbesuche oder ist bei Behördengängen dabei. Längst hat sich seine Telefonnummer herumgesprochen. "15 Anrufe am Tag sind normal, manchmal klingelt das Handy auch in der Nacht", erzählt Mohamad, der in Damaskus aufgewachsen ist. Erst vor Kurzem hatte er einen tragischen Fall: "Einer schwangeren Frau ging es nicht gut, ihr Mann wusste nicht, was er machen soll", erzählt der Syrer. Schließlich hat er sich an Mohamad gewandt, der sie sofort zum Arzt brachte. Von dort ging es für die Frau mit dem Notarzt ins Herzberger Krankenhaus. "Sie hat ihr Baby leider verloren", sagt Mohamad niedergeschlagen.

Erreichen ihn Fragen, die er nicht beantworten kann, erkundigt er sich bei Andrea Stapel, bei Ämtern oder bei Ärzten. "Dann lösen wir das Problem gemeinsam", so Mohamad. Mit freiwilligen Helfern organisiert er auch Ausflüge, Zusammenkünfte mit Deutschen oder Kurse über die deutsche Kultur. Mohamad selbst möchte gern seinen Führerschein machen und sein betriebswirtschaftliches Studium, das er in Syrien abbrechen musste, beenden. Bis es so weit ist, nutzt er seine Bufdi-Zeit als "Einstieg in die Gesellschaft".