Nach vier Wochen Krieg in Nahost gehören die Fernsehbilder verletzter israelischer Soldaten, die von der Front im Südlibanon zurückkehren, schon zum Nachrichtenalltag. Hisbollah-Kämpfer, die mit dem Tod ringen, sind dagegen nicht zu sehen. Auch das ist Teil der Strategie der schiitischen Miliz, die der militärisch-technologischen Überlegenheit ihres Gegners mit psychologischer Kriegsführung und Guerilla-Methoden begegnet.
"Zwei Wochen lang bin ich im Südlibanon unterwegs gewesen, bevor ich den ersten Hisbollah-Kämpfer zu Gesicht bekommen habe, er tauchte aus einem Erdloch auf und verschwand sofort wieder", berichtet ein TV-Reporter. Im Hisbollah-Propagandasender Al-Manar sieht man nur Archivbilder von Kämpfern, die angreifen und aktuelle Bilder verletzter Israelis.

Zwischen 50 und 300 Toten
Mehr als 50 Kämpfer der pro-iranischen Miliz sind nach Hisbollah-Angaben seit dem Beginn der Kampfhandlungen am 12. Juni getötet worden. Die Israelis gehen davon aus, dass es etwa sechsmal so viele sind. Möglicherweise zählt die Hisbollah auch nur die getöteten Mitglieder ihrer Spezialeinheiten und nicht diejenigen Schiiten, die im Süden mit der Waffe in der Hand das eigene Dorf verteidigen.
Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah hebt in seinen Fernsehansprachen aus dem Untergrund auf jeden Fall immer hervor, dass den Israelis in diesem bewaffneten Konflikt vor allem eines fehle: gesicherte Informationen darüber, wie stark ihr Gegner ist und wo die Hisbollah ihre Raketen und Nachschublinien hat. "Die Hisbollah hat überall Tunnel und unterirdische Waffendepots angelegt und ist deshalb so schwer zu fassen", meint ein westlicher Militärexperte.
Damit das auch so bleibt, schottet sich die nach außen ab. Vor allem arabische Ausländer laufen in diesen Kriegstagen im Libanon leicht Gefahr, als Spione verdächtigt zu werden. Aber auch Libanesen stehen im Verdacht. Denn trotz aller Bekenntnisse zur Geschlossenheit gibt es eine Reihe von Landsleuten, die über eine Entwaffnung der Hisbollah nicht unglücklich wären. "Öffentlich traut sich momentan niemand, das zu sagen - aber so mancher Sunnit, Christ oder Druse wünscht sich insgeheim, dass die Macht der Hisbollah, die diese durch ihre militärische Stärke hat, beschnitten wird", sagt ein westlicher Diplomat.
Doch so einfach ist das nicht. Und sogar die Raketen, die sie jeden Tag auf Israel abfeuern, dürften den Hisbollah-Kämpfern nach Einschätzung eines Experten erst in einigen Monaten ausgehen. Zu einer Gegenoffensive sei die Hisbollah dagegen nicht fähig. Sie könne die Israelis nur aus dem Hinterhalt angreifen, zwei oder drei Soldaten töten und sich wieder zurückziehen.

Ruhe nur mit Friedensverhandlungen
"Selbst wenn die Israelis einen breiten Streifen an der Grenze besetzen, werden sie die Milizionäre nicht zu fassen kriegen, sie werden sich einfach unter die Zivilisten mischen und mit diesen abziehen", meint Waddah Abd Rabbo, Chefredakteur einer unabhängigen syrischen Zeitung. Er glaubt wie viele seiner Landsleute, dass es nur dauerhaft ruhig in der Region werden kann, wenn es Friedensverhandlungen gibt und Israel besetzte Gebiete räumt. "Sonst kehren wir nach dem Abzug der Israelis aus dem Südlibanon zum Status quo zurück und in zwei Jahren geht es wieder los."